Tafel wird 20 Jahre: Sie versorgen wöchentlich 5000 Augsburger mit 35 Tonnen Lebensmitteln

Kisten schleppen und koordinieren: Peter Gutjahr, zweiter Vorstand der Augsburger Tafel, Fahrer Ashraf Rashwan und Vorstand Fritz Schmidt packen im Lager der Tafel-Zentrale in Oberhausen mit an. Foto: Janina Funk
Vollgestapelt mit grünen Kunststoffkisten ist der Lagerraum in Oberhausen. Tomaten, Kartoffeln, Äpfel bis unter die Decke. In einer halben Stunde öffnet die Ausgabestelle der Tafel. Hunderte Bedürftige werden dann mit Nahrungsmitteln und Hygiene-Artikeln versorgt, dem Nötigsten, was es zum Leben braucht.

"Das ist eine unglaubliche Logistik, die dahinter steckt", sagt Ashraf Rashwan, während er eine weitere Kiste in den Raum hievt. Zwischen zehn und 15 Kilo wiegen die Gemüsebehälter, erklärt der Fahrer. Er ist einer von über 200 freiwilligen Helfern, die an sechs Ausgabestellen in Augsburg insgesamt 5000 Menschen versorgen.

20 Jahre alt ist die Augsburger Tafel in der vergangenen Woche geworden. 30 bis 35 Tonnen Lebensmittel verfrachten die Ehrenamtlichen inzwischen wöchentlich, vor allem Überproduktionen und Spenden von Supermärkten, Bäckereien, Molkereien oder Metzgereien. Die Warenauswahl ist dabei saisonbedingt. "Nach Weihnachten können wir uns vor Nikoläusen nicht mehr retten", sagt Tafel-Vorstand Fritz Schmidt und lacht. Seit fünf Jahren, seit Beginn seines Ruhestandes, ist Schmidt bei der Tafel - und seither so gut wie jeden Tag im Einsatz für bedürftige Augsburger. Für diese wird pro Besuch ein Obolus fällig: Anfangs pro Abholung eine Mark, später ein Euro, seit August nun zwei Euro. "Anders hätten wir unsere Fixkosten nicht mehr decken können", erklärt Schmidt. Mieten, Versicherungen und Unterhalt der Fahrzeuge müssen schließlich irgendwie finanziert werden, denn der Fuhrpark der Tafel umfasst mittlerweile acht Laster. Sieben davon verfügen über eine Kühlung, einer ist mit Tiefkühlung ausgestattet.

1998 wurde die erste Ausgabestelle in Augsburg eröffnet


Vor 20 Jahren waren es gerade mal sechs Ehrenamtliche, die mit privaten Autos übrig gebliebene Waren einsammelten und zur Drogenhilfe, ins Frauenhaus und in die Pfarreien brachten. 1998 wurde die erste Ausgabestelle eröffnet. Der Laden befand sich am Hinteren Lech in der Altstadt. Die zentrale Ausgabe in Oberhausen ist heute an drei Tagen in der Woche geöffnet. Um 13 Uhr beginnt die Ausgabe. Kommen darf, wer seine Bedürftigkeit nachweisen kann. Dann bekommt man einen Ausweis und einen Abholplan.

Eine "unglaubliche Logistik" und eine "Mordsarbeit"


Wenn die Tafel-Kunden in Oberhausen aufschlagen, sind Ashraf Rashwan und seine Kollegen schon seit vielen Stunden im Einsatz. Früh morgens fahren sie los, um die Waren abzuholen. Das ist eine "Mordsarbeit", sagt Rashwan grinsend. Seit 30 Jahren ist er in Deutschland - und inzwischen ein "echter Datschiburger", betont der gebürtige Ägypter, der nicht nur Fahrer ist, sondern auch ins Arabische übersetzt, denn seit dem vergangenen Jahr besuchen auch viele Asylbewerber die Tafel.

Als Fahrer angefangen hat vor acht Jahren auch Peter Gutjahr, heute ist er zweiter Vorstand des Tafel-Vereins. Auch er ist eigentlich im Ruhestand. Die meisten Helfer, so erklärt er, seien Rentner. Da die Arbeit aber körperlich anstrengend sei, würden viele dann doch nicht so lange dabeibleiben. Gutjahr und Schmidt wünschen sich daher für die kommenden Jahre vor allem weiterhin viele freiwillige Helfer.
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