Theater kann saniert werden: Millionenpaket für Augsburg

Markus Söder und Kurt Gribl Männer, die in Mikros sprechen: Bayerns Finanzminister Markus Söder (links) und Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl standen gestern im Mittelpunkt des Interesses. Foto: David Libossek

Die Stadt kann ihr Theater sanieren. Das ermöglichen 107 Millionen Euro aus der bayerischen Staatskasse, die Finanz- und Heimatminister Markus Söder auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz versprach. Zudem gibt es neue Kosten-Schätzungen. Auch in die Augsburger Schulen fließt ein neunstelliger Eurobetrag.

Die Vorstellung im Foyer des Theaters war so gut besucht, dass aus einem Nebenraum geschwind ein Stapel neuer hellbrauner Stühle herangekarrt wurde. Das Gemurmel im Publikum erstarrte ruckartig, beinahe ehrfürchtig, als die Hauptdarsteller die Bühne betraten. Allen voran Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl und Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder. Händeschüttelnd bewegte sich der Tross vorbei an der ersten Reihe, um schließlich das Podium zu entern.

Die Aufmerksamkeit der Zuseher - darunter zahlreiche Theaterangestellte - richtete sich vor allem auf den Mann, der, oben angekommen, eingerahmt von Gribl und dem künftigen Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger Platz nahm. Markus Söder würde gleich verkünden, wie viel Geld der Freistaat zur Sanierung und Neukonzeptionierung des maroden Augsburger Theaters beisteuert - und damit auch, ob die laut Gribl "Baumaßnahme in noch nie dagewesener Dimension" überhaupt realisierbar ist.

Söder, wohlwissend, dass er gleich zu einer Art Heilsbringer im sommerlich hellen Anzug avancieren würde, genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Die Beine weit auseinander saß er im Rampenlicht und präsentierte ein "Kulturbildungspaket", in dem Millionen für die Stadt stecken. "Die Kultur in Augsburg geht weiter", sprach Söder mit - vielleicht vom Schauplatz inspiriert - jeder Menge Pathos. Mit 107 Millionen Euro beteiligt sich Bayern an der Erneuerung des Dreispartenhauses sowie dem Neubau der Werkstätten, Verwaltungs- und Probenräume samt zweitem Haus. Lange anhaltender Applaus brandete auf.

Genauso als Söder eine Erhöhung der Fördersätze für die Schulsanierungen in Augsburg verkündete. 122 Millionen Euro fließen nun aus der Kasse des Freistaats in die der Stadt. Weitere 2,6 Millionen werden in Kindertagesstätten investiert.

Neue Kostenschätzung: Das Theater wird wohl günstiger


Augsburg sei eine Metropole, die gestärkt werden müsse, erklärte Söder, denn "wir brauchen funktionsfähige Großstädte". Die Verhandlungen seien intensiv gewesen, verriet Söder. Gerade sein - seit Dienstag ehemaliger - Staatssekretär Hintersberger habe seine "physische und psychische Belastungsfähigkeit" des Öfteren auf die Probe gestellt. Es ist anzunehmen, dass Hintersberger, der auch Augsburger CSU-Bezirksvorsitzender ist, ein entscheidender Faktor in den Finanzierungsgesprächen war. Die Konstellation mit ihm als Söders rechter Hand und Gribl als CSU-Oberbürgermeister trug wohl stark zu Söders Wohlwollen, finanziell zu helfen, bei, das Gribl in den Verhandlungen festgestellt hatte.

Günstig wirkt sich für Augsburg zudem aus, dass das Theater im oberösterreichischen Linz fertiggestellt ist. An diesem Bau hatten sich die Planer orientiert - auch in der Kostenschätzung. Unter die Rechnung für das österreichische Theater-Pendant wurde nun der Strich gezogen. Die Werkstätten hätten 22,5 Millionen Euro weniger gekostet, sagte Gribl. Weil auch noch am Großen Haus und am Verwaltungstrakt Kosten eingespart werden sollen, errechnet sich für die Augsburger Version eine Summe von 189 Millionen Euro. Mehr als 30 Millionen weniger als noch im Februar befürchtet.

Stadt zahlt 82 Millionen Euro plus Kosten für Interimsbetrieb


Die Stadt muss dennoch einen Beitrag von 82 Millionen Euro selbst schultern, hinzu kommen noch geschätzte zehn Millionen Euro für den Interimsbetrieb und den Umzug. Über ein langfristige Finanzierung solle das passieren, ohne dafür "die ganze Stadt lahmzulegen", erklärte Gribl. "Wir versuchen auch noch weiter mit den Kosten runterzukommen", versprach er. Auch weitere Geldgeber seien gerngesehen. Davon wird allerdings nicht mehr abhängen, ob das Theater saniert wird oder nicht. Und dieses "Ob" habe eine "gewisse Zeit infrage gestanden", so Gribl. Doch das Millionenpaket garantiere jetzt Planungssicherheit.

Der zeitliche Rahmen könne nun festgelegt werden. "Wir sind nicht auf der Flucht", mahnte Gribl zur Gelassenheit. 2017 solle aber spätestens mit den Arbeiten begonnen werden. Ein exakter Termin steht noch nicht, dem Vernehmen nach ist aber ein Start nach dem Opernball im Januar anvisiert. Damit verschiebt sich der ursprüngliche Zeitplan um mehr als ein halbes Jahr nach hinten - und somit wohl auch die anberaumte Fertigstellung 2024.

Mit den vorwiegend freien Kulturschaffenden, die in einem Offenen Brief das Konzept der Sanierung kritisiert hatten, werde man ab Freitag Gespräche führen, kündigte Gribl an. Diese wolle er in kurzen Zeitabständen fortführen, "so dass wir Ende September oder Oktober in einen geregelten Prozess kommen, in dem wir absprechen können, welche Veränderungen hier noch möglich sind", sagte der Oberbürgermeister, der später vor zahlreichen TV-Kameras und Radio-Mikrofonen klarstellte: "Wir haben keinen Konflikt."

Theaterintendantin Julianne Votteler kümmerte das am Mittwoch wenig. Die Zuschüsse hätten "die Erwartungen weit übertroffen", jubelte Votteler. Zudem könne sie nun die Planungen für die erste Interimsspielzeit intensivieren. Das Musiktheater und das Ballett würden wie geplant in die Kongresshalle ziehen. Generell werde man Stücke in der Überbrückungsphase in einem schnelleren Wechsel aufführen, erklärte sie. Zudem schweben ihr bereits ein bis zwei "außergewöhnliche" Spielorte vor.

Von David Libossek
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