Theater: "Wir schaffen das"

Das Große Haus muss im Juni schließen. Foto: Markus Höck

Die Theatergemeinde muss stark sein: Im Großen Haus fällt nach dieser Spielzeit endgültig der Vorhang. Bis zu einer grundsätzlichen Sanierung ist das Gebäude aus Gründen des Brandschutzes nicht mehr bespielbar.

Ganz unerwartet kommt der Schritt nicht. Nachdem vergangene Woche bereits schwerwiegende Bedenken hinsichtlich des Brandschutzes bekannt wurden, haben weitere Untersuchungen der Bausubstanz im Großen Haus den Schritt notwendig gemacht.

Nach wie vor geht es um das mögliche Eindringen von Rauch in den Zuschauerraum. Mit einer Nebelmaschine hat die Feuerwehr solch einen Extremfall simuliert und nach dem Testlauf das Aus des Spielbetriebs gefordert.

Trotzdem gibt es eine kurze Gnadenfrist. Der Spielbetrieb endet erst nach der letzten Vorstellung im Juni. "Eine sofortige Schließung des Hauses wäre nach übereinstimmender fachlicher Beurteilung unverhältnismäßig und kann durch besondere organisatorische wie technische Brandschutzmaßnahmen für den Rest der Spielzeit abgewendet werden", erklärt die Stadt in ihrer Stellungnahme. Konkret bedeutet das: Die bereits zusätzlich zur Feuersicherheitswache eingeteilten fünf Feuerwehrmänner bleiben vorerst auf dem Posten, das Löschfahrzeug parkt während Vorstellung weiterhin vor dem Theater und es wurden weitere Brandmelder eingebaut, etwa in die Zwischendecke zwischen Garderobe und Zuschauerraum, wo Kabel verlaufen. "Ein möglicher Kabelbrand würde so sofort entdeckt", erklärt der Chef der Augsburger Berufsfeuerwehr Frank Habermaier.

Doch diese Maßnahmen sind laut Habermaier nicht dazu geeignet, über eineinhalb Jahre den Brandschutz zu gewährleisten. Und daher müsse nach dieser Saison Schluss sein.

"Das hat uns kalt erwischt"


Für Theaterintendantin Juliane Votteler und ihre Mitarbeiter ist diese Nachricht ein Schock. "Das hat uns kalt erwischt", gibt Votteler zu. Sie hatte mit ihrem Team im festen Glauben, das Große Haus bis Sommer 2017 nutzen zu können, den Spielplan für 2016/17 erstellt - ihre letzte Spielzeit als Intendantin in Augsburg. Dafür hätte sie sich sicher einen anderen Verlauf gewünscht, doch auch im Interesse ihrer Mitarbeiter "ist dieser Schritt richtig". Man könne etwa von den Künstler nicht verlangen, dass sie die Brandschutzproblematik auf der Bühne einfach ausblenden. Zumindest könne die laufende Spielzeit im Großen Haus zu Ende gebracht werden.

Kopfzerbrechen bereitet ihr die kommende Spielzeit, denn sie ist nun gezwungen, nach einer Ausweichspielstätte zu suchen. Es gilt, die 900 Plätze des Großen Hauses zumindest teilweise zu ersetzen. 600 Plätze sollten es schon sein. Doch Räume mit einer entsprechenden Kapazität sind in Augsburg rar. Gespräche, etwa mit der Kongresshalle, laufen, Ergebnisse gibt es noch nicht. Immerhin: Die Brechtbühne, der Hoffmannkeller und die Freilichtbühne bleiben von der Schließung des Großen Hauses unberührt.

Opernball ist abgesagt


Die Intendantin habe bereits mit den Regisseuren und Mitarbeitern über die anstehende Herausforderung gesprochen. "Die Resonanz war überwältigend", berichtet Votteler. Alle seien bereit, ihre Konzepte anzupassen und sich auf die veränderte Situation einzulassen. Gleichwohl müssten einige Produktionen eventuell gestrichen werden, aber der Großteil würde umgesetzt, gibt sich Votteler verhalten optimistisch. "Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen."

Dass es 2017 aller Voraussicht nach auch keinen Opernball geben wird, verkommt angesichts der Tragweite der vorzeitigen Schließung fast zur Marginalie. Einen Opernball in der Kongresshalle kann sich Votteler nicht vorstellen. Aber vielleicht werde ja ein etwas anderes Fest an einer bis dahin gefundenen Spielstätte gefeiert, stellt Votteler tapfer in Aussicht.
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