Theatersanierung im Netz: "Reißt es ab!"

»Reißt es ab!«, so die Reaktion auf die explodierenden Kosten der geplanten Theatersanierung vieler Kommentatoren in den Sozialen Netzwerken. Wir haben das mal visualisiert. Aus bildrechtlichen Gründen mussten wir dabei leider auf Miley Cyrus auf der Abrissbirne verzichten... Foto: Bildmontage Michejew/martyhaas/123rf.com

In den Sozialen Netzwerken wird eifrig über die explodierenden Kosten für die Theatersanierung diskutiert. Viele Kommentatoren plädieren für einen Neubau.

Die explodierenden Kosten der geplanten Theatersanierung erhitzen weiter die Gemüter. Auch in den Sozialen Netzwerken wird eifrig darüber diskutiert, ob 235 Millionen Euro wirklich gerechtfertigt sind und wie die Stadt den teuren Umbau des Theaters finanzieren soll.

Unsere Leser auf Facebook gehen sogar davon aus, dass das Projekt letztendlich noch teurer werden wird. "Vermutlich steigen die Kosten noch, weil sie nach dem ersten Versuch gleich nochmal die Bühne erhöhen müssen, weil die Zuschauer in der ersten Reihe nichts sehen werden. Ach nee, das war ja das Eishockeystadion...", schreibt uns Haro von Nesselwang bei Facebook.

Mit Humor erträgt sich ja bekanntlich alles leichter. Facebook-User De Tommy ist weniger zum Lachen zumute: "Klar kostet das 235 Millionen. Ist ja nicht deren Geld. Da kann sich doch wieder jeder gut bereichern, vom Gas-Wasser-Installateur bis zum Architekten. Ich kann dem Stadtrat und dem Baureferenten nur raten, Gegenangebote einzuholen!!!!".

"Sollen doch die, die ins Theater gehen, bezahlen"


Die Frage, ob ein Theater wirklich so teuer sein muss, beschäftigt die Kommentatoren in den Sozialen Netzwerken besonders. "Für die Kosten kann man auch einen Neubau in Erwägung ziehe", schreibt Sven Biesinger. Und User T. c. Melek Naz kommentiert: "Reißt es ab! 235 Millionen? Wie viele Kindergärten und Schulen könnte man damit sanieren/um bzw. neu bauen? Davon hätten alle was. Sollen doch die, die ins Theater gehen, das bezahlen."

Internationale Vergleiche stellt Alex Sander an: "Der Bau des "Sydney Opera House" hat 100 Millionen Dollar gekostet (neu!). Und das ist fünfmal so Groß mit 5532 Sitzplätzen! Wobei Augsburg nur 945 Sitzplätze hat! Vor allem wären das circa 1000 Euro pro Kopf die jeder Augsburger blechen muss! Und davon haben vielleicht nicht mal fünf Prozent jemals das Theater von innen gesehen." Auf diese Weise argumentiert auch Don Carlos, der sich die Frage stellt, ob wirklich öffentliches Interesse an der Theatersanierung bestehe, "wenn 98 Prozent aller Bürger gar nicht ins Theater gehen"? Seiner Meinung nach wäre das viele Geld falsch investiert.

Ähnlich hat sich auch Sozialwissenschaftler Meinhard Motzko in einem Interview mit der Augsburger Online-Zeitung DAZ geäußert. Der Kultur-Experte, der seit 1985 öffentliche Einrichtungen bei der Konzept- und Organisationsentwicklung betreut, lebt in Bremen und hat einiges an Erfahrung im subventionierten Theaterbereich. Es könne nicht sein, dass 100 Prozent der Bevölkerung öffentliche Einrichtungen finanzieren, die dann nur von einem Bruchteil genutzt werden, sagt Motzko.

"Das Theater muss aufpassen, dass es nicht mit der kleinen Oberschicht des traditionellen Bürgertums zusammen ausstirbt, wenn es ihm nicht gelingt, breitere Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Dazu gehört neben den Stücken selbst vor allem eine andere Aura des gesamten Theaterbetriebs: Weg von der Sekt- und Champagnerkultur mit weißen Tischdeckchen hin zu den vielfältigen Alltagskulturen der Bevölkerung", fordert der Sozialwissenschaftler. Eine Sanierung des Theaters sei dazu eine einmalige Gelegenheit. Dazu bedürfe es einer "schonungslosen Analyse der Einnahmenseite und der Kostentreiber". Es müssten Zielvorgaben zur Struktur des Publikums her und das Theater müsse sich in die große Diskussion über die Zukunft der Städte unter den Bedingungen des demografischen Wandels einklinken.

Die Publikumsstruktur beschäftigt auch Facebook-Kommentator Sven Biesinger. Um Theater verstehen zu können, "muss man erst einmal die Schulbank drücken. Und dies fällt in mehr als sanierungsbedürftigen Schulen schwerer."

Gehört Berlin noch zum Augsburger Umland?


Dann heißt es jetzt also: Schulen sanieren und Theater renovieren. Für die Finanzierung des Kulturhauses will die Stadt Augsburg dabei auch mal bei den Nachbarkommunen anklopfen. Die ultimative Lösung in der Geldfrage schlägt uns indes Karin Wagner auf Facebook vor, die den Begriff "Umland" etwas weiter definiert: "Ihr solltet mal den Berliner Bürgermeister fragen, die werden doch von uns aus dem Süden seit Jahren finanziert. Schreibt ihm doch mal: 'Jetzt kommst Du!'"
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