Trassenkampf um Linie 5

Neben den Localbahngleisen soll den Planungen zufolge die Linie 5 an der Wertach entlang fahren. Foto: Janina Funk
 
Dietmar Egger will die Trasse über die Holzbachstraße. Die Stadtwerke drohen ihm inzwischen mit rechtlichen Schritten. Foto: Janina Funk

Gegen den geplanten Verlauf der Straßenbahnlinie 5 wehren sich gleich zwei Bürgerbewegungen. Einig sind sie sich vor allem in der Kritik an Stadt und Stadtwerken.

Laut ist es schon jetzt. Im Krach der Autos erhebt Georg Griesmann seine Stimme. "Wenn die Straßenbahn kommt, dann haben wir noch viel mehr Lärm." Während er seine Befürchtungen ausspricht, wird an der Kreuzung Perzheimstraße/Hörbrotstraße gleich dreimal gehupt. "Hier ist doch jetzt bereits zu wenig Platz für den Verkehr", sagt der Anwohner, der sich im "Bürgerforum Thelott- und Rosenauviertel" dafür einsetzt, dass die Trasse für die neue Linie 5 nicht direkt durch das Wohngebiet verläuft.

Nur zwei Straßen weiter steht Dietmar Egger von der "Bürgeraktion Pfersee". In seinen Händen ein Plan der Hessenbachstraße: Egger deutet auf das weitflächige Grün zwischen der Straße und der Wertach. Komme die Trasse so wie geplant, gebe es einen "Kahlschlag" entlang des Flusses.

Die Linie 5 soll vom Bahnhof über die Bürgermeister-Ackermann-Straße zum Klinikum fahren. Nach dem Tunnel unter dem Hauptbahnhof wird die Trasse den Planungen zufolge allerdings nur stadtauswärts über die Rosenau- und die Pferseer Straße verlaufen, stadteinwärts geht es über die Perzheim- und Hörbrotstraße - dagegen wehrt sich das Bürgerforum. Hinter der Luitpoldbrücke geht es über die Hessenbachstraße weiter zur Bgm.-Ackermann-Straße - das wollen Dietmar Egger und seine Mitstreiter verhindern.

Linie 5: "Massive Desinformation"
Das lange Hin und Her um die Linie 5 illustriert ein Stapel Unterlagen, den Egger aus seiner Tasche zieht. Pläne, Kopien von Beschlussvorlagen, Protokolle von Bürgerdialogen. "Hier", sagt er und deutet auf eine gelb markierte Textpassage. "In der Bürgerwerkstatt haben sich alle Beteiligten darauf geeinigt, dass die Variante Hessenbachstraße die schlechteste ist. Wieso ist das jetzt plötzlich für die Stadtwerke die Vorzugsvariante?"

Die Bürgeraktion Pfersee will die Trassenführung über die Holzbachstraße, also am gegenüberliegenden Wertachufer. Der Vorteil sei, so Egger, dass dort die Tram zum Teil auf dem jetzigen Parkstreifen fahren könnte und nur stadteinwärts Gleise in die Grünanlage platziert werden müssten; anders als in der Hessenbachstraße, wo die Trasse den aktuellen Planungen zufolge direkt am Fluss entlang durchs Grüne verlaufen würde.

Den Stadtwerken wirft Egger eine "massive Desinformation" vor. Beispiel Bäume: Die Stadtwerke rechnen an der Holzbachstraße mit 33 zu fällenden Bäumen, an der Hessenbachstraße mit 31. Das sei beides falsch, sagt Egger. An der Hessenbachstraße geht die Bürgeraktion von 51 Bäumen aus. Begründung: Von den Localbahngleisen neun Meter mach Westen werde alles Grün verschwinden müssen, denn anders könne eine Durchwurzelung des Gleisbetts nicht verhindert werden. Und in der Holzbachstraße? "Hier kommen die Stadtwerke nur aus dem Grund auf eine große Anzahl an Bäumen, weil sie eine Haltestelle mitten ins Grün setzten." Diese Haltestelle könne man an anderer Stelle platzieren, und somit Bäume schonen, argumentiert die Bürgeraktion.

Andreas von Mühldorfer, der sich gemeinsam mit Georg Griesmann im Bürgerforum Thelott- und Rosenauviertel engagiert, ist in der Frage Flora und Fauna eher auf der Linie der Stadtwerke. "Den meisten Schaden an der Natur gibt es in der Holzbachstraße", sagt er. Grundsätzlich seien aber beide Trassenvarianten, die Holzbach- und Hessenbachstraße, die "Wahl zwischen Pest und Cholera". Man sei "nach wie vor der Überzeugung, dass die Linie 5 bis zur Haltestelle Stadtberger Straße die bestehende Trasse der Linie 3 nutzen kann, sich dann in Deutschenbauerstraße-Ackermannstraße-Klinikum und Bismarckstraße-Endhaltestelle Stadtbergen flügelt."

Kritik am Tunnel unter dem Hauptbahnhof
Seine Kritik reicht aber noch weiter - weiter stadteinwärts: "Letztendlich halten wir daran fest, dass das Projekt Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof mit der nicht vernünftig lösbaren und daher kurvenreichen Straßenbahnführung nach dem Tunnel Unsinn ist und sich finanziell nicht rechtfertigen lässt."

Viele Jahre galt als Voraussetzung für die Linie 5, dass entlang des Bahngeländes eine "Entlastungsstraße" für die Rosenaustraße gebaut wird. Bei diesem Stichwort winkt Dieter Hübner, ein Mitstreiter von Andreas von Mühldorfer und Georg Griesmann, ab. "Die war doch immer schon vorgeschoben, weil sie auf diese Weise den Tunnel bekommen konnten. Jetzt wird die Entlastungsstraße gespart, um Kosten zu sparen, weil der Tunnel viel zu teuer ist", sagt der Rentner. "Die jetzige Variante für die Linie 5 ist die billigste. Die Anwohner sind die Leidtragenden." Jene Anwohner der Hörbrotstraße etwa fühlen sich besonders hintergangen. Sie verweisen auf eine schriftliche Zusicherung aus dem Jahre 2004 der damaligen Stadtregierung, dass es nie eine Trasse durch die Hörbrotstraße geben werde. Denn dies, so heißt es dort, sei technisch gar nicht möglich.

Stadtwerke drohen mit rechtlichen Schritten
Weiter gegen den geplanten Trassenverlauf kämpfen wollen beide Bürgerbewegungen - auch mit rechtlichen Mitteln. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens - zu dem es kommt, wenn die Stadt die Pläne soweit ausgearbeitet hat, um die Genehmigung bei der Regierung von Schwaben zu beantragen - wollen sie ihre Einwände einbringen. "Das wäre nicht das erste Verfahren, das zu einer Ehrenrunde gezwungen wird", prognostiziert Dietmar Egger, der sich auch dadurch nicht einschüchtern lassen will, dass die Stadtwerke ihm vor kurzem mit rechtlichen Schritten gedroht haben. Die Bezeichnung "Rabauken von den Stadtwerken", die Egger in einer Pressemitteilung verwendet hatte, wertet das Unternhemen als Rufschädigung.

Ob ihn das beeindruckt? "Ach wo", sagt Egger. "Das zeigt doch nur, dass die Nerven noch dünner sind als die Argumente."
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