Trotz anfänglicher Schwierigkeiten: Das Brechtfestival findet unter neuer Leitung statt

 

Geschlechterrollen, Menschen auf der Flucht – das diesjährige Brechtfestival nimmt sich der globalen Probleme an. Dementsprechend lautet das Motto vom 3. bis 12. März: „Ändere die Welt, sie braucht es“.

Es ist das erste Brechtfestival unter der Regie des Berliners Patrick Wengenroth. Und gleich zu seinem Debut muss Wengenroth mit der derzeit problematischen Theatersituation in Augsburg zurecht kommen: Das Große Haus steht ihm wegen der anstehenden Generalsanierung nicht zur Verfügung. Doch Wengenroth empfindet die anfänglichen Standortprobleme sogar als praktisch, denn: „Jetzt kenne ich die Stadt sogar besser, als wenn das Große Haus verfügbar wäre.“

Inhaltlich ist einer der Schwerpunkte das Spannungsfeld Chauvinismus und Feminismus – durch die Proteste in Washington aktueller denn je. „Viele sagen jetzt: ,Der Feminismus ist ja doch ganz groß und präsent!’ Danke Herr Trump“, sagt Wengenroth. Beim Thementag „Feminismus ist für alle da“ lesen Laurie Penny und Jack Urwin aus ihren Texten und diskutieren mit der Journalistin und Autorin Meredith Haaf. Theatralisch wird das Thema Chauvinismus-Feminismus in zwei Aufführungen reflektiert: „GAP, ein performatives Tryout“ des Hamburger Frauen-Performance-Kollektivs Genderdungeon II um die Regisseurin Ute Rauwald unternimmt den Versuch, Kafkas Erzählung „Heimkehr“ neu und „feministisch“ zu interpretieren. Die multimediale Science Fiction Performance „First Black Woman in Space“ von Simone Dede Avivi erzählt von Befreiungskämpfen.
Ein weiterer Thementag ist der Beziehung zwischen Brecht und Walter Benjamin gewidmet, zwei der größten Denker ihrer Zeit, deren Freundschaft und Arbeitsbeziehung als eine der politisch und ästhetisch folgenreichsten des 20. Jahrhunderts gilt.

Ziel des gesamten Festivals soll sein, den Leuten nicht ein bestimmtes politisches Denken aufzuzwingen, sondern die richtigen Fragen zu stellen. Kulturreferent Thomas Weitzel weist explizit darauf hin, dass das Festival „nicht nach Quoten beurteilt werden“ soll, sondern danach, wie es zur „Debatte anregt“.
Weitzel klärte auf, dass die von den Veranstaltern geplanten Eigenproduktionen wie „Krise ist immer“ trotz der anfänglichen Standortprobleme aufgeführt werden können.

Mitunter soll es um sehr ernste Themen gehen. So auch um eine Mutter, deren Sohn sich bei einem Selbstmordanschlag in die Luft jagte und viele Menschen dabei mit in den Tod riss. Wengenroth betont: „Das ist nicht lustig, aber wichtig!“
Als neuer Festivalleiter wollte Wengenroth offenbar möglichst viele Duftmarken setzen. „Wir haben etwas ganz Verrücktes gemacht“, erklärt Wengenroth zum Programmheft. „Wir haben das Inhaltsverzeichnis in die Mitte gesetzt.“
Dort finden sich auch alle Hinweise auf die Lange Brechtnacht. Sie ist seit vielen Jahren ein Höhepunkt des Festivals. In dem von Girisha Fernando kuratierten hochkarätigen Musikprogramm spielen unter anderem Isolation Berlin, Dakh Daughters aus Kiew, Sidsel Endresen aus Oslo, Käptn Peng und Die Tentakel aus Berlin und Erobique aus Hamburg. Ergänzt wird die Lange Brechtnacht durch das Sonderkonzert „Wecker trifft Brecht“.

Wengenroth hat sich viel vorgenommen. Mit Bezug auf das bekannte Brechtzitat sagt er: „Das Beste an Augsburg ist der Zug nach München, das wollen wir umdrehen!“
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