Uniklinik sorgt für Ärger: Augsburger Studenten gehen auf die Barrikaden

Fast 500 Studenten lauschten der Vollversammlung. Sie wollten wissen wie es mit dem Sprachenzentrum weitergeht. (Foto: AStA Augsburg)
Die Gründung der medizinischen Fakultät an der Universität Augsburg wurde vergangenen Freitag offiziell gefeiert, sogar Ministerpräsident Horst Seehofer war anwesend. Doch während die einen feierten, waren viele Studierende nicht begeistert.

Medizinische Fakultät vertreibt Sprachenzentrum

Das Sprachenzentrum der Universität soll wegen der neuen medizinischen Fakultät vom Campus ausziehen. Inakzeptabel, finden die Studenten, wurde ihnen doch versprochen, dass die Gründung der neuen Fakultät andere Studiengänge in keinster Weise beeinträchtigen würde.

Auf einer studentischen Vollversammlung am Donnerstag lauschten 500 aufgebrachte Studenten gebannt, was die zwei Vertreterinnen der Fachschaft Lehramt und der Studierendenvertretung bisher zur „Sprachenzentrum-Problematik“ in Erfahrung bringen konnten.

Die jetzige Situation sieht so aus: 13 Büros, 35 Mitarbeiter, Lehrräume in drei Gebäuden, wovon eins erst im vergangenen Jahr neu für das Sprachenzentrum eröffnet wurde. Da Räume für die Gründungskommission und später für die Verwaltung der medizinischen Fakultät gebraucht werden, und durch die steigende Studierendenzahl die allgemeine Verwaltung aufstocken muss, soll das Sprachenzentrum weichen.

Auf die Frage warum die Räume der medizinischen Fakultät in das Verwaltungsgebäude müssen und nicht etwa auf dem neu entstehenden Campus am Klinikum Platz finden, gab es keine konkrete Antwort. Auch nicht vom Pressesprecher der Uni Augsburg, Klaus Prem.

Nach Informationen der Fachschaft Lehramt sei die Leitung der Universität überrascht über den Widerstand der Studenten, Prem dementiert das aber. „Nein, das stimmt natürlich nicht. Es wäre überraschend, wenn sich in solchen Fällen nicht stets auch Unmut oder Unzufriedenheit artikulieren würde“, schreibt Prem auf Nachfrage der StadtZeitung.

„Bei räumlichen Umverteilungsnotwenidigkeiten oder Neuaufteilungszwängen sind unter den Bedingungen von Raumknappheit vorläufig fast immer Kompromisslösungen erforderlich“, begründet der Pressesprecher. Dabei komme es laut Prem nun einmal vor, dass „unter Umständen vorübergehende Abstriche an gewohnten optimalen Verhältnissen abverlangen“.

Die Suche nach einer passenden Lösung läuft

Wohin der Umzug geht, stehe allerdings noch nicht fest. Die beste Lösung, einen Neubau auf das Uni-Campusgelände zu setzen, wurde vom Landtag abgelehnt, angeblich weil die medizinische Fakultät ohnehin schon teuer genug und somit kein Geld mehr übrig sei. Ein weiterer Vorschlag, der vorgestellt wurde, war, Containerbauten für Büros aufzustellen und die Lehrräume zu erhalten. Diese Idee erntete tosenden Applaus, vor allem weil ein Student dazwischenrief, dass doch die Büros der medizinischen Fakultät dort einziehen sollten.

Ein kompletter Umzug des Sprachenzentrums in das nahe gelegene BüroCenterMesse Gebäude (BCM), in dem die Universität bereits ein paar Seminarräume angemietet hat, ist eher unwahrscheinlich. Die Türen sind zu hellhörig, mündliche Prüfungen wären dort nicht möglich. Prem lässt wissen , dass vielleicht nur die Büroräume des Sprachenzentrums, nicht aber dessen Lehrräume, ins BCM umziehen.

Der Vorschlag, eine andere Einheit, wie das Rechenzentrum, umziehen zu lassen, wurde ebenfalls aus Kostengründen abgelehnt. Der Lösungsvorschlag, der momentan am plausibelsten erscheint, ist ein Umzug in den Sigma-Park. Doch genau das wäre die schlechteste Lösung – zumindest für die Studenten. Zwar würden die Räume vor dem Umzug komplett neu renoviert, doch ist das Gelände schlicht zu weit vom Campus entfernt. In den 15 Minuten Pause zwischen den Veranstaltungen ist es weder zu Fuß, noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, die Strecke zwischen Sigma-Park und Uni-Campus zurückzulegen.

Das wohl größte Problem ist allerdings, dass die neuen Räume nicht barrierefrei sind. „Besonders Studierende, die kurz- oder langfristig in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, können diese Distanz in der hierfür vorgesehenen Zeit schlicht nicht bewältigen“, erklärt die Fachschaft Lehramt in einer Pressemitteilung. Auch Prem räumt diese Probleme ein, und sagt, es werde bereits an Lösungen dafür gearbeitet. Wie genau diese aussehen sollen? Diese Antwort bleibt er schuldig.

„Wir wollen kein München-Modell“

Noch sei allerdings nichts beschlossen. Wann die Entscheidung fällt und wer diese trifft, lässt Prem ebenfalls offen. Allerdings solle sie wohl bald fallen, der Umzug soll schließlich kommenden Sommer stattfinden.

Fest steht, dieser Umzug wird fast ein Viertel der Studierenden direkt betreffen, indirekt alle Studenten, die Sprachkurse belegen wollen oder müssen, somit auch alle Erasmus-Interessenten, wie die Fachschaft mitteilte. Die Studenten fürchten noch etwas anderes: „Es ist der Beginn den Campusgedanken an der Uni zu zerstören“, prophezeit ein Student auf der Versammlung. „Wir wollen kein München-Modell“, meint ein anderer. Denn das lieben die Studenten in Augsburg: einen Campus, der sich nicht über die Stadt verteilt.

Die Fachschaft Lehramt und die Studierendenvertretung appellieren an alle Studenten, präsent und aufmerksam zu sein und das Thema in den Kursen anzusprechen. Sie planen Unterschriftenlisten, einen offenen Brief an den Landtag und kündigen weitere Protestaktionen an.
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.