Unverständnis für Unterkunft

In das Meitinger Wohngebiet "Südlich Pouzauges Ring" werden bald 60 Asylbewerber ziehen. Bewohner wettern gegen die geplante Unterkunft. Die Wut bei den Eigentümern der gehobenen Immobilien ist groß.

In der Marktgemeinde Meitingen werden demnächst 60 Asylbewerber aus verschiedenen Krisenregionen der Welt erwartet. Im Wohngebiet "Südlich Pouzauges Ring" hat die Regierung von Schwaben zwei Wohngebäude des Unternehmers Erich Büchele für die Flüchtlinge angemietet. Bei beiden Wohngebäuden handelt es sich um Neubauten mit gehobenem Standard, die über jeweils vier Wohneinheiten verfügen.

In den nächsten Wochen werden die Wohnungen entsprechend hergerichtet, doch wann genau die Flüchtlinge einziehen werden, steht noch nicht fest. "Es ist für unsere Marktgemeinde eine neue Herausforderung, der man sich stellen will wie es andere Kommunen bereits getan haben", so Bürgermeister Michael Higl. In den Meitinger Häusern wir es eine Heimleitung, einen Hausmeister und eine Sozialberatung geben.

Asylunterkunft: Meitinger haben erst kurzfristig davon erfahren

Meitinger Bürger, die nahe der neuen Asylbewerberunterkunft wohnen, kamen vor Kurzem zu einem Bürgergespräch im großen Sitzungssaal des Rathauses zusammen. Der Ansturm war so groß, dass die Bestuhlung im Sitzungssaal nicht ausreichte und zusätzlich Plätze geschaffen werden mussten. Aus welchen Krisenregionen oder Kriegsgebieten die Asylbewerber kommen werden, konnte Bürgermeister Higl nicht beantworten. "Um intern etwas zu tun, sollten wir Lösungen für beide Seiten finden, denn wir können miteinander reden und uns austauschen", so Higl. Jeder sollte sich bewusst sein, dass es sich "um Menschen wie Sie und ich handelt".

Warum Asylbewerber in einem Premiumgebiet und in Neubauten untergebracht werden, wollte Peter Boguth wissen. Higl gab zur Antwort, dass für die Unterbringung nicht der Markt Meitingen, sondern das Landratsamt zuständig sei. Die Bürger ärgerten sich zudem, dass sie erst so kurzfristig davon erfahren haben. "Mir ist erst seit acht Tagen bekannt, was da in Zukunft auf uns zukommt", lautete die Antwort des Meitinger Bürgermeisters. Die Anwohner beharrten jedoch darauf, dass es schon länger Gerüchte gegeben habe, aber nichts Konkretes kommuniziert wurde. "Davon ist mit nichts bekannt", zeigte sich Higl leicht erbost.

Kritik am Eigentümer der Häuser

"Wir sparen uns das Geld vom Mund ab, damit wir uns ein Eigenheim leisten können und Asylbewerber werden in Neubauten in einem Premium-Baugebiet untergebracht", wetterte ein Teilnehmer der Runde. Werner Wieczorek fragte, warum diese neuen Wohnungen nicht an andere Bürger hätten vermietet werden können. Ein weiterer Hausbesitzer sprach den finanziellen Verlust an, der auf die Grundstückseigentümer eventuell zukommt.

"Der Vermieter", kritisierte ein Anwohner, "hat die Wohnungen dem Landratsamt angeboten, damit seine Mieteinnahmen gesichert sind, er sich kaum um etwas kümmern muss und die Wohnungen, wenn die Asylbewerber einmal ausziehen müssen, neu und für ihn kostenlos renoviert werden".

Eigentümer Erich Büchele sagte auf Nachfrage unserer Zeitung: "Ich habe erfahren, dass Unterkünfte gesucht werden und mich daraufhin mit dem Landratsamt Augsburg in Verbindung gesetzt. Dessen zuständiger Mitarbeiter fragte, ob ich mir vorstellen könne, die Wohnungen für fünf Jahre für diese mittlerweile heimatlosen Menschen zur Verfügung zu stellen."Man einigte sich und es wurde mit der Regierung von Schwaben ein Fünfjahresvertrag ausgearbeitet. "Die Häuser", so Büchele, "sind meine Altersvorsorge und mit Krediten belastet".

"Wenn nach fünf Jahren die Asylbewerber wieder ausziehen, werden mir die Wohnungen wie normale Mietwohnungen wieder zurückgegeben und die etwaig anstehenden Renovierungsarbeiten von mir finanziert."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.