Verdunstet der Glaube?

Noch sind mehr als die Hälfte der Menschen auf dem Gebiet der Diözese Augsburg Katholiken, 1,3 Millionen insgesamt. Das entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 2,3 Millionen einem Anteil von 57,2 Prozent. Doch 2014 hat die Zahl der Kirchenaustritte wieder kräftig angezogen. Foto: StaZ Archiv

Noch sind mehr als die Hälfte der Menschen auf dem Gebiet der Diözese Augsburg Katholiken, 1,3 Millionen insgesamt. Das entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 2,3 Millionen einem Anteil von 57,2 Prozent. Doch 2014 hat die Zahl der Kirchenaustritte wieder kräftig angezogen.

Mehr als 12 000 Menschen haben im vergangenen Jahr der katholischen Kirche den Rücken gekehrt - 2500 mehr als im Jahr zuvor. Demgegenüber stehen lediglich 455 (Wieder-)Eintritte gegenüber. 2013 waren es 479.

Die Kirchenaustritte bewertet Generalvikar Harald Heinrich als Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Phänomene. Die deutliche Zunahme im vergangenen Jahr habe zwar wohl mit der Diskussion um die Abgeltungsteuer zu tun. "Allerdings müssen wir auch ganz nüchtern eine zunehmende Verdunstung des Glaubens und der Bindung an die Kirche feststellen", so Heinrich. Sicherlich gehe es anderen Akteuren der Zivilgesellschaft ähnlich wie den Kirchen. Aber die Kirche sei eine Gemeinschaft von Gläubigen. Jeder einzelne Kirchenaustritt sei für die Kirche deshalb ein schwerer Verlust. "Umso mehr bleiben unsere Türen offen. Wir bauen auch das Angebot unserer City-Pastoral weiter aus. Es richtet sich unter anderem an jene Gläubigen, die ihren Weg wieder zurück in die Kirche gehen wollen." Als eine sehr gute Möglichkeit, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, hätten sich auch die 410 kirchlichen Kindertageseinrichtungen im Bistum Augsburg bewährt. "Wir werden hier auch zukünftig präsent bleiben und sie aus Mitteln der Kirchensteuer fördern, weil wir sie als große pastorale Chance für unsere Pfarrgemeinden sehen."

Noch eine andere Zahl bereitet Heinrich Sorgen. Der Anteil der sonntäglichen Gottesdienstbesucher stagniert bei 13,9 Prozent. "Dass wir sonntags durchschnittlich rund 185 000 Katholiken erreichen, ist für mich bei dem großen Angebot unserer Konsum- und Freizeitgesellschaft noch immer eine recht beachtliche Zahl", so Heinrich. Dennoch seien das bistumsweit nur 14 Prozent und Grund zur Sorge, gerade auch in den Städten. "In der Seelsorge und in der Verkündigung müssen wir besonderes Augenmerk auf die Heiligung des Sonntags legen. Gerade in unserer immer hektischer werdenden Zeit, die oft auch Anforderungen an die Belastbarkeit des Einzelnen stellt, gilt es die Botschaft vom Sonntag als Herrentag, wo wir unserer Seele etwas Gutes tun können, in den Mittelpunkt zu stellen." Er sei überzeugt, dass der Sonntag als der Tag, an dem sich die Gemeinde zur Eucharistiefeier versammele, "immer mehr zum entscheidenden und auch unterscheidenden Kennzeichen für uns als Christen wird. Daran muss man uns erkennen können!"
von pba/mh
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.