Verhaltene Perspektiven für Elektroindustrie

Stefan Greiffenberger, Vorsitzender des Vorstands der der bayme vbm Region Augsburg, hat gestern die Ergebnisse der Winterumfrage zur konjunkturellen Lage der Metall- und Elektroindustrie vorgestellt. Dabei betonte er, dass die Unternehmen in einer Flaute stecken und deshalb die Erwartungen für das kommende Jahr sehr gedämpft sind. Foto: KUKA AG

Stefan Greiffenberger, Vorsitzender des Vorstands der der bayme vbm Region Augsburg, hat gestern die Ergebnisse der Winterumfrage zur konjunkturellen Lage der Metall- und Elektroindustrie vorgestellt. Dabei betonte er, dass die Unternehmen in einer Flaute stecken und deshalb die Erwartungen für das kommende Jahr sehr gedämpft sind.

"Wir stehen vor einer Strukturkrise", sagte Greiffenberger. Grund dafür sei, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts gefährdet sei. Das wird besonders deutlich, wenn man die Investitionspläne der Unternehmen betrachtet. Denn hier gewinnt das Ausland deutlich. Nur 7,4 Prozent der Befragten wollen im Inland investieren. Dagegen wollen 30,1 Prozent Auslandsinvestitionen tätigen. Immerhin 32 Prozent der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie mit Standorten im Ausland wollen hier ihre Ausgaben erhöhen. Nur zwei Prozent dagegen werden die Investitionen hier zurückschrauben. "Die Musik spielt im Ausland", lautete deshalb Greiffenbergers Fazit.

Mit Blick auf die Tarifverhandlungen, die Mitte Januar beginnen, fordert er daher von der Politik und den Tarifparteien, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Wertschöpfung und Beschäftigung wieder stärken. "Wenn dies jetzt nicht gelingt, wird aus der Flaute eine echte und nachhaltige Abwärtsbewegung", prophezeite er.

Bayernweit hat sich die Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2014 weiter verschlechtert. Etwa 36 Prozent der Unternehmen bewerteten das Inlandsgeschäft noch als gut, im Sommer lag der Anteil noch bei 42 Prozent. Der Anteil der Firmen, die die Inlandslage als gut bewerteten stieg im Vergleich dazu von 3,3 auf 7,4 Prozent.

Deshalb sind die Erwartungen der Unternehmen auch verhalten. 8,3 Prozent der befragten Firmen befürchten eine weitere Verschlechterung im Inlandsgeschäft. Auch mit Blick auf das Auslandsgeschäft stieg der Anteil der Pessimisten von 3,2 auf 7,6 Prozent an.

Natürlich ist die Lage nicht in allen Branchen gleich. Die Automobil- und Zulieferindustrie sowie die IT-Branche bewerten die Geschäftslage noch immer als positiv. Gedämpfter sind die Aussichten im Maschinenbau und der Elektroindustrie. Im sonstigen Fahrzeugbau und den Herstellern von Metallerzeugnissen überwiegen dagegen die negativen Stimmen. Aber auch regionale Unterschiede sind erkennbar. Denn die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Schwaben schätzen die aktuelle konjunkturelle Lage als besser als noch vor einem halben Jahr ein.

Das Inlandsgeschäft bewerten hier 48 Prozent der Betriebe als gut, 13 Prozent dagegen als schlecht. "Damit liegt der Saldo mit 34,8 Prozentpunkten doppelt so hoch wie bei der letzten Umfrage im Sommer mit 16,5 Punkten", erklärt Greiffenberger. Auch die Einschätzung des Exportgeschäfts bewerten inzwischen 25,6 Prozent der Unternehmen als gut. Im Juli waren es noch 19,6 Prozent. Dennoch sind die Erwartungen der schwäbischen Metall- und Elektrobetriebe deutlich gesunken. Das spiegelt sich auch in den Beschäftigungsplänen der Firmen wider.

Zwar planen rund 24 Prozent der Betriebe zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, gleichzeitig fürchten aber knapp 22 Prozent, Stellen abbauen zu müssen. "Wir gehen davon aus, dass der Beschäftigungsanstieg der letzten Jahre allmählich auslaufen wird", erklärte Greiffenberger.

Auch wenn es der Region Schwaben momentan noch gut zu gehen scheint, geht er davon aus, dass es nur eine Verzögerung ist, bis die Entwicklungen aus Bayern und Deutschland auch auf die Region zukommen. Als Grund für diese zeitliche Verschiebung sieht er die Unternehmensstruktur, denn in Schwaben sind mehr mittelständische Unternehmen angesiedelt.

Um diesem negativen Trend entgegenzuwirken sieht er die Politik in der Pflicht und fordert von ihr einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs. Themen wie das Rentenalter oder die Mütterrente stellten die Unternehmen vor schwierige Situationen. Auch beim Thema Energie sieht er Nachholbedarf. Die Energiewende sei bis dato noch nicht erkennbar durchdacht. Auch die Versorgungssicherheit in diesem Zusammenhang sei in weiten Teilen noch nicht geklärt, kritisierte er. Hier sieht er dringenden Handlungsbedarf von Seiten der Politik. Gleichzeitig blickt er auch auf die Gewerkschaften, die in den bald beginnenden Tarifverhandlungen 5,5 Prozent mehr Lohn für die Angestellten in der Metall- und Elektroindustrie fordern.
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