Verliert der Augsburger Zoo seine Attraktionen?

Löwe Arthos Löwe Arthos war an Knochenkrebs erkrankt und musste im Mai eingeschläfert werden. Foto: Markus Höck/Archiv

Riesenschlangen, Giraffen, Löwe, Nashorn - die Meldungen von Todesfällen aus dem Augsburger Zoo häuften sich in den letzten Jahren. In einigen Fällen musste die Haltung der Tiere ganz eingestellt werden, weil eine artgerechte Unterbringung nicht möglich war. Der Zoo scheint mehr und mehr seiner Attraktionen einzubüßen.

Erst im Mai musste Löwe Arthos wegen Knochenkrebs eingeschläfert werden, vergangene Woche starb nun altersbedingt auch Nashornbulle Daniel. In beiden Fällen kann man dem Zoo keinen Vorwurf machen. Der Tod des Giraffenweibchens Luna Anfang des Jahres allerdings hatte die Tierschutzorganisation Peta alarmiert und den Zoo in die Kritik gebracht. Peta forderte eine Untersuchung der Bedingungen im Giraffenhaus. Ein rutschfester Innenauslauf von 200 Quadratmetern Fläche und ein winterfester Außenbereich sei für die Haltung von Giraffen Pflicht, forderten die Tierschützer.

Luna litt aufgrund einer Darmentzündung an Auszehrung und Schwäche. Sie hatte sich wohl nachts immer wieder hingelegt und war wieder aufgestanden bis sie schließlich stürzte und nicht mehr auf die Beine kam. Luna war nicht die erste Giraffe im Augsburger Zoo, die auf tragische Weise zu Tode kam: Kiano hatte sich vor einem Zebra erschreckt, war gegen eine Metallabsperrung gelaufen und hatte sich einen Schädelbruch zugezogen, die trächtige Lada war im Januar 2013 gestürzt und konnte nicht wieder aufstehen. Jamie musste 2010 aufgrund eines Knicks in der Halswirbelsäule eingeschläfert werden und ein Giraffenbaby starb 2007 an einer Immunschwäche. Im März dieses Jahres teilte der Zoo mit, dass es aufgrund neuer Haltungsvorgaben vorerst keine Giraffen mehr geben werde.

Ähnlich schlecht sieht es bei den Elefanten aus, denn auch deren Anlage entspricht nicht mehr den erwarteten Vorgaben. Bereits 2011 hatte der Zoo die beiden afrikanischen Elefanten weggegeben, nachdem einer der beiden einen Pfleger attackiert hatte. Übrig sind nun die asiatischen Elefanten Targa und Burma. Sollte Targa, die mit 60 Jahren zu den ältesten Elefanten Deutschlands gehört, sterben, wäre Burma allein. Einen Gefährten für sie zu holen, wäre nicht möglich, solange es keine modernere und größere Anlage für die Tiere gibt. Die jedoch kostet acht Millionen Euro, die für den Zoo nur schwer aufzubringen sind.

Eine neue Anlage für rund 550 000 Euro gab es dagegen 2011 für die Reptilien. Im Jahr zuvor hatte der Zoo elf Riesenschlangen einschläfern müssen, da sie an dem hochansteckenden IBD-Virus erkrankt waren. Die Krokodile, die im alten Reptilienhaus in einem winzigen Gehege lebten, wurden weggegeben. Die neu gebaute Anlage ist zwar nun schöner, doch auf die erneute Anschaffung von Krokodilen und Riesenschlagen wurde aus Platzmangel und Angst vor dem Virus verzichtet.

Krokodile, Riesenschlangen und Giraffen zählten mit zu den Hauptattraktionen des Zoos. Und Löwenmännchen Arthos war ebenfalls einer der Publikumslieblinge. Bei unseren Facebook-Usern löste sein Tod vor allem Trauer aus. "Armer Kerl. Hoffentlich bekommt deine Dame bald Gesellschaft", schreibt Claudia Zabel. "Sehr schade", findet auch Andrea Tradt. Aber auch generelle Kritik an der Haltung von Tieren in Gefangenschaft wird laut. "Artgerecht ist nur die Freiheit. Wie kann man heutzutage überhaupt noch Zoos besuchen und gutheißen? Dann hört dieses Elend ja nie auf. Der Löwe hat es zum Glück überstanden", meint Susanne Barbara Heydel.

Ob nun Tiergärten im Allgemeinen eine artgerechte Haltung überhaupt erlauben, darüber mögen die Meinungen auseinander gehen. Bestimmte Vorgaben müssen jedenfalls erfüllt werden, damit Tiere gehalten werden dürfen. Diesen Vorgaben gerecht zu werden, erfordert aber das nötige Budget, um neue Anlagen zu bauen. Dafür wiederum sind Attraktionen nötig, um durch viele Besucher möglichst viel zu erwirtschaften. Der Zoo Augsburg scheint in genau diesem Teufelskreis fest zu stecken. Er bekommt zwar einen Zuschuss von der Stadt, muss aber doch den Großteil seiner Ausgaben selbst decken.

Deshalb sammelt der Zoo zur Zeit Spenden für die neue Elefanten-Anlage. Trotz der vielen Todesfälle könnte er sich so zumindest die Dickhäuter als Attraktion bewahren.
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