Verwirrung auf dem Kirchen-Empfang

Stadtpfarrer Markus Bader bei seiner Interpretation der päpstlichen Botschaft an die kirchlichen Mitarbeiter. Foto: Hans Blöchl

Die Pfarreien St. Pankratius und Unsere Liebe Frau begrüßen das neue Jahr. Auf dem Neujahrsempfang sorgt jedoch eine Aussage zum "Grünen Kranz" für gehörige Aufregung. Der Kirchenpfleger muss intervenieren.

Lechhausen. Plötzlich keimte Unruhe unter den Gästen des Neujahrsempfangs der beiden Pfarreien St. Pankratius und Unsere Liebe Frau auf. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Herbert Kollars hatte in seiner Ansprache gerade die Diskussion um den Neubau des "Grünen Kranzes" am Schlössle erwähnt. Dieser soll zur Neugestaltung des Stadtteilzentrums beitragen und stelle sowohl die Kirche als Eigentümerin als auch andere Akteure in Lechhausen vor einige Fragen.

Kollars' Verweis, dass "derzeit kein Bedarf für einen Saal in einem neuen Zentrum zu erkennen ist", führte zu der etwas ungewöhnlichen Intervention von Kirchenpfleger Klemens Bentlage, der den aktuellen Stand erläuterte, um die Gäste wieder zu beruhigen. Nach seinen Ausführungen seien die Planungen nicht abgeschlossen. Die Kirche stehe nach wie vor zu einem Saal für größere Veranstaltungen, wenn "sich dafür und eine Gaststätte ein Investor findet". Die Kirche stehe aber zu ihrem Wort, durch den Neubau die Entwicklung eines lebendigen Stadtteilzentrums zu befördern und nicht zu behindern.

Damit beschwichtigte er die Gäste des traditionell ersten Empfangs im neuen Jahr - unter denen eben auch viel Lechhauser Polit-Prominenz war, auch ARGE-Chef Werner Mordstein und AGL-Vorsitzender Peter Fischer sowie viele Vertreter weiterer Vereine und Organisationen aus dem Stadtteil.

Zuvor war Kollars' Ansprache weniger furios verlaufen. Er hatte in seinem Jahresrückblick an die großen Vorkommnisse in der Welt aber auch an die kleinen im Stadtteil erinnert. Dabei streifte er die Krisen im Nahen Osten und der Ukraine genauso wie den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft. Eines spielt sich aber deutlich auf beiden Ebenen ab: Das Schicksal von über 50 Millionen Flüchtlingen in der Welt fordere jetzt nicht Abgrenzung und Vorurteile, vielmehr sei christliche Nächstenliebe gegenüber den "Ärmsten der Armen" gefragt. Er rief alle auf zu helfen und die Not zu lindern.

Stadtpfarrer Markus Bader nahm in seinen Ausführungen auf die vorweihnachtliche Botschaft von Papst Franziskus Bezug, in der dieser der kirchlichen Kurie insgesamt 15 Krankheiten von existenzieller Schizophrenie bis geistlichem Alzheimer attestiert hatte. Bader betonte, dass die päpstliche Botschaft sich an alle Menschen richten würde. Die im Schreiben angeführten Fehler "kommen in jeder Kirchengemeinde, in jeder Partei" vor. Die mahnenden Worte des Kirchenoberhauptes sollten auch im Alltag zum Tragen kommen. So ginge es etwa darum, wieder "Ruhe und Langsamkeit zu entdecken", wieder mehr "Gemeinsamkeit statt Lärm und Dissonanz" zu leben. "Ernsthaftigkeit darf sich nicht als schwermütige Maske ohne innere Beteiligung präsentieren, Humor ist immer ein wichtiger Berater", richtete er seine mahnenden Worte an die Anwesenden.

Mancher, der bei den Worten des Papstes an die Kirchenführer vor dem Jahreswechsel vielleicht eine klammheimliche Schadenfreude verspürt hatte, kam bei Baders Worten sicherlich auch darauf, sich zumindest ein wenig zu hinterfragen.
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