Vorne einsteigen: "Unmöglich" oder "sinnvoll"?

Die Stadtwerke testen Vordereinstieg auf der Linie 32. Foto: Alexander Wiedersatz (Symbolbild)


Die Stadtwerke testen den Vordereinstieg auf der Linie 32. Bald könnte das Einsteigen beim Busfahrer in Augsburg die Regel werden. Doch was sagen die Fahrgäste dazu?

Freundlich klingt die Stimme aus dem Lautsprecher im Bus der Linie 32: "Werte Fahrgäste, danke, dass Sie vorne eingestiegen sind." Wer mit der Linie 32 unterwegs ist, muss seit Ende März direkt beim Busfahrer einsteigen und seinen Fahrschein vorzeigen. Dies gilt als Probebetrieb - und wenn dieser positiv verläuft, soll der Vordereinstieg ab 1. August für alle Busse gelten.

Die Stadtwerke Augsburg wollen damit das Schwarzfahren eindämmen. Nach den ersten Wochen des Testlaufs zieht das Unternehmen ein zufriedenes Fazit: "Für den allergrößten Teil der Fahrgäste ist es nach kurzer Zeit völlig selbstverständlich geworden, vorn einzusteigen und dem Fahrer den Fahrschein zu zeigen", so der Leiter des Fahrbetriebs, Tobias Harms. Doch was halten die Fahrgäste selbst von dieser Umstellung?

"Unmöglich", sagen Christina und Michael Barl unisono. Die beiden gebürtigen Augsburger und regelmäßigen Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel betonen: "Diese Entscheidung wurde gegen den Komfort der Fahrgäste getroffen." Sie hätten Warteschlangen vor den Bussen beobachtet und befürchten Verspätungen.

Auch Marcus Pölz ist gegen die Kontrolle durch den Busfahrer und findet, dass die Prozedur zu lange dauert. Für sich selbst zieht der Augsburger das Fazit, künftig auf kürzeren Strecken das Busfahren zu vermeiden und lieber zu Fuß zu gehen. Den Vordereinstieg skeptisch sieht auch Heidemarie Schurr . Die 70-Jährige befürchtet, dass es in den Warteschlangen zu Geschubse kommen könnte und durch das Drücken von hinten gerade ältere Menschen stolpern könnten. Die Rentnerin überlegt daher, in Zukunft auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

Johanna Haurert stört es nicht, vorne einzusteigen. Sie findet "das nicht schlecht, da Schwarzfahrer so besser kontrolliert werden können". So sieht das auch Julian Schurer. Der 27-Jährige hält die Umstellung für sinnvoll. Kleine Verzögerungen durch das Kontrollieren der Fahrkarten nimmt er in Kauf. Genau wie Peter und Anne-Maria Adelmann . Das Ehepaar findet, dass es für den Busfahrer und die Fahrgäste Sicherheit schafft, vor allem am Abend und in der Nacht.

"Auf der einen Seite finde ich es gut, da somit das Schwarzfahrer besser kontrolliert werden. Auf der anderen Seite muss man bedenken, dass somit das Einsteigen länger dauert", sagt Nicolas Bäuml . Der 18-Jährige rechnet künftig mit mehr Verspätungen.

So sieht das auch Carmen Weiß . "Ich finde den Zeitaufwand zu hoch", resümiert sie.
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