Was zahlt das Umland zum Theater: "Wenn Sie so fragen, gar nichts"

Einer von vielen Mängeln am Theater: An der Außenfassade an der Rückseite des Großen Hauses sind große Teile des Putzes heruntergefallen. Das blaue Netz soll Passanten schützen. Auch Fledermäuse fühlen sich darunter wohl. Foto: David Libossek

Bis zu eine Viertelmilliarde Euro sind ein ganz schöner Batzen Geld. Einen großen Teil dieses Betrages muss die Stadt Augsburg auftreiben, um ihr Theater sanieren zu können. Eine unter anderem ins Gespräch gebrachte, mögliche Geldquelle: das Umland.

Schließlich profitieren ja auch die Nachbarstädte und -gemeinden von den großen Inszenierungen, lautet das Hauptargument. Wir haben in Rathäusern und Landratsämtern der Region schon einmal vorgefühlt und gefragt, wie viel Geld sie denn beisteuern könnten.

"Wenn Sie so fragen, gar nichts", sagt Richard Scharold und muss lachen. Friedbergs Zweiter Bürgermeister betont aber, dass das seine ganz persönliche Meinung ist. Freilich, wenn es konkreter würde, müsse sich der Stadtrat damit beschäftigen.

Doch gute Chancen räumt er dem großen Nachbarn nicht ein. Und das liegt nicht daran, dass Scharold, wie er zugibt, kein Theaterfreak ist. "Wir sanieren gerade unser Schloss. In unserm Haushalt ist nimmer viel Luft drin", erklärt er.

Ja, das Argument mit dem Schloss lassen wir gelten. Also weiter nach Gersthofen. Vielleicht ist Bürgermeister Michael Wörle spendabler. "Wir werden uns nicht beteiligen", erteilt er jedoch eine Abfuhr. Die Gersthofer, die das Theater besuchen, seien der Beitrag, den seine Stadt leiste. Er verstehe, dass Augsburg versucht, angesichts der erwarteten Kosten alle Möglichkeiten auszuloten. Das Geld aber solle "eher aus München, nicht aus Gersthofen kommen".

Ohnehin glaubt Wörle, gehe sein Kollege, Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, "nicht realistisch davon aus, dass wir aus dem Umland Geld auf den Tisch legen". Wörle bietet Augsburg immerhin an "unsere Stadthalle gerne als Spielstätte zur Überbrückung zu nutzen.""

Aber die wird ja erst nötig, wenn der Umbau gestartet wird - und dazu muss die Finanzierung stehen. Das sieht schließlich auch Augsburgs OB so. Also auf ins nächste Rathaus.

Der Königsbrunner Bürgermeister Franz Feigl war zuletzt in seiner Kindheit im Großen Haus des Theater Augsburg. Na, das sind keine guten Voraussetzungen für finanzielle Nachbarschaftshilfe. Und tatsächlich: Auch südlich der Fuggerstadt gibt's eine Abfuhr. Feigl sieht "gar keine Veranlassung einer Beteiligung am Augsburger Stadttheater". Das liegt aber sicher nicht daran, dass er so lange nicht mehr dort war.

Kultur sei nun einmal keine Pflichtaufgabe. Und schließlich biete Königsbrunn selbst "viel kulturelles Gut, wenn auch vielleicht nicht auf dem selben Niveau". Diskutieren könne man über alles, macht er aber zumindest ein bisserl Hoffnung.

Beim Rathauschef in Stadtbergen wird es dann ganz verzwickt. Paulus Metz fordert sogar selbst etwas. "Wir haben ja für unseren Bürgersaal auch kein Geld von Augsburg bekommen", sagt er. Herrjemine, auch das noch!

Der große Nachbar erhalte als Oberzentrum für Projekte wie das Theater ohnehin höhere Fördergelder als die Städte im Umland, begründet er. In diesen Geldern sei der Beitrag Stadtbergens ja schon mit drin. Metz zeigt sich wie Wörle solidarisch und bietet den Bürgersaal als Ersatzspielstätte an. Auch wenn Augsburg dafür nichts gezahlt hat.

Die Anfrage in Schwabmünchen sieht zunächst vielversprechend aus. Bürgermeister Lorenz Müller "schätzt das Theater sehr". Zuletzt habe er dort das Ballett "Romeo und Julia" gesehen. Doch Geld hat er keines übrig. "Wir haben als Mittelzentrum mit Freibad und Stadthalle selbst defizitäre Einrichtungen, die vom Umland genutzt werden", sagt er. "Dafür kommen aber viele Menschen in unsere Stadt. Diese Vor- und Nachteile müssen wir - und auch Augsburg - selber tragen."

Schließlich gebe es für exakt diese Einrichtungen Schlüsselzuweisungen an Mittel- und Oberzentren. Und das Landratsamt Augsburg sieht die Theater-Kosten dadurch abgedeckt, sagt ein Sprecher. Auch rechtlich liege ein Theater nicht in der Zuständigkeit der Behörde. "Außerdem tritt bei einer Beteiligung die Frage auf, ob uns dann nicht auch Einfluss auf das Theater zusteht", sagt der Sprecher weiter.

Aber der Landkreis Aichach-Friedberg hat doch sicher ein bisschen Geld über, oder Dr. Klaus Metzger? "Auf der hohen Kante liegt im Moment nichts", muss auch der Landrat eine Beteiligung verneinen. "Primär sehen wir es als Aufgabe der Stadt an. Der Landkreis hat in den nächsten Jahren Investitionen von knapp 100 Millionen Euro zu schultern - in erster Linie das Krankenhaus in Aichach, das Gymnasium in Mering und die Realschule in Affing."

Das sieht nicht gut aus fürs Große Haus. Und das obwohl Metzger und seine Familie "große Anhänger des Theaters sind. Wir waren auch schon Abonnenten. Unsere ganze Familie besucht ziemlich regelmäßig die Vorstellungen dort", sagt Metzger.

Hier endet das ernüchternde Klinkenputzen. Nicht einen Cent haben wir bei Augsburgs Nachbarstädten und -kreisen ergattern können - aus guten Gründen. Für die Kulturstätte ist zu hoffen, dass die Finanzierung anderweitig gestemmt werden kann.
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