Weihnachten bei Troll und Wichtel

Ullrich Styra gestaltet die Märchenstraße. Foto: Verena Gawert

Der Augsburger Christkindlesmarkt zählt zu den Schönsten Weihnachtsmärkten in Deutschland. Er lockt mit seinem besonderen Ambiente und vielen Attraktionen jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Neben dem Engelesspiel ist es vor allem die Märchenstraße, die jedes Jahr die Kinderaugen zum Strahlen bringt.

Bereits zum siebten Mal können die kleinen und großen Besucher des Augsburger Christkindlesmarkt die Märchenstraße bewundern. In mehreren Schaufenstern der Augsburger Innenstadt sind voll bewegliche Puppen in farbenprächtig dekorierten Stuben und Szenerien aufgebaut. Die dazugehörige Geschichte ist auf liebevoll gestalteten Tafeln geschrieben. Hinter dieser märchenhaften Idee steckt Ullrich Styra, Dekorateur, Designer und ehemaliger Chefdekorateur von Kröll&Nill.

In Zusammenarbeit mit der Regio Augsburg, der Stadt Augsburg und der City Initiative Augsburg sorgt er dafür, dass jedes Jahr rund um den Christkindlesmarkt die Märchenstraße die Innenstadt schmückt. Vor sieben Jahren waren verschiedene Projekte angedacht, um das weihnachtliche Ambiente in der Innenstadt auszubauen, erinnert sich Styra. Seine langjährige Arbeit bei Kröll&Nill brachte dann die zündende Idee. "Schon seit den 70er Jahren wurden bei Kröll&Nill in der Philippine-Welser-Straße in der Weihnachtszeit Märchenfenster ausgestellt", so Styra. "Das Ganze ist also eine sehr, sehr historische Sache." Die Idee vom Märchenfenster wurde aufgegriffen und auf den Bereich zwischen dem Rathausplatz und dem Kinderweihnachtsmarkt am Moritzplatz ausgeweitet. In acht bis zehn Schaufenstern sollte je eine Szene ausgestellt werden.

In diesem Jahr zeigt die Märchenstraße ein altes Märchen. Acht Schaufenster erzählen die Geschichte "Weihnachten bei den Trollen und Wichteln". Die Geschichten, die ausgestellt werden, wählt Styra gemeinsam mit der Regio aus.

Doch es muss nicht immer so ausdrücklich weihnachtlich wie in diesem Jahr zugehen. Vor zwei Jahren wurde beispielsweise zum 200. Jahrestag des Erscheinens des ersten Gebrüder Grimm Bandes eine Szenencollage der Grimm-Märchen ausgestellt, erzählt Styra. "Die Gebrüder Grimm oder Petterson kennt aber jeder", so Styra, "deshalb wollten wir in diesem Jahr etwas neues zeigen." Das uralte Märchen über Wichtel und Trolle fand er vor allem interessant, weil es von fast mythischen Gestalten handelt, die es so gar nicht gibt. Die Geschichte handelt von den Vorbereitungen der Wichtel und Trolle für Weihnachten. Diese müssen hart arbeiten, um den Menschen an Heiligabend ihre Geschenke bringen zu können. Erst in den letzten Schaubildern zeigt die Geschichte dann, wie die Trolle und Wichtel selbst Weihnachten feiern.

Am besten gefiel Styra selbst die Märchenstraße vor vier Jahren. Damals wurden "Die Kinder von Bullerbü" gezeigt. "Das war mit das aufwendigste und größte Projekt und eine sehr imposante Geschichte", erinnert er sich.

Hinter den aufwendigen Figuren steckt der Allgäuer Künstler Herbert Fleschutz. Teilweise sind die Puppen schon über zehn Jahre alt, "aber das sieht man ihnen nicht an", lacht Styra. Bevor sie in der Märchenstraße ausgestellt werden, werden die Figuren noch überarbeitet, teilweise neu angezogen oder bemalt. Die Vorbereitung für die Märchenstraße nimmt gute drei bis vier Wochen in Anspruch. "Das ist für mich der stressigste Teil der Vorweihnachtszeit", berichtet Styra. Die fertigen Module in die Schaufenster einzubauen, dauert dann noch einmal knappe fünf Tage. Die Figuren hängen wie Marionetten an Fäden und müssen dann zusammen mit der Technik in den Schaufenstern installiert werden.

Das Feedback ist jedes Jahr sehr positiv. Die Märchenstraße wird von Groß und Klein angenommen und lädt vor allem zum kurzen Verweilen in der hektischen Vorweihnachtszeit ein. "Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Eltern und Großeltern vor den Schaufenstern stehen bleiben und ihren Kindern und Enkeln die Geschichten vorlesen", freut sich Styra. Auch das Rätselgewinnspiel, das im Rahmen der Märchenstraße angeboten wird, findet jedes Jahr großen Anklang. Styra wurde auch schon von Eltern angesprochen, die damals selbst als Kinder die Märchenschaufenster bei Kröll&Nill bewunderten. "Das ist ja toll, dass sie das wieder machen und es das jetzt wieder gibt", freuen sich die Eltern heute - und Styra mit ihnen.
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