Weihnachtstrucker mitten im Sommer

Ja, sie haben richtig gelesen: Der Johanniter-Weihnachtstrucker ist auch mitten im Sommer aktiv. Die großangelegte Hilfsaktion ist längst über ihren ursprünglichen Ansatz - die Verteilung von Hilfspaketen an notleidende Menschen in Südosteuropa - hinausgewachsen. Im Lauf der Zeit haben sich eine Reihe ganzjähriger Kooperationen zwischen den Johannitern und verschiedenen Organisationen in den Zielländern entwickelt. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Besuch von fünf Pflegeschülerinnen und -schülern aus Bosnien-Herzegowina.

Die fünf angehenden Pflegekräfte aus Bosnien-Herzegowina besuchen in ihrer Heimat die Medical School Tuzla. Diese ist seit vielen Jahren enger Partner der Johanniter-Weihnachtstrucker. Das Schulgelände selbst ist eine der zentralen Anlaufstellen für die Trucks – von hier aus wird die Verteilung der Päckchen gelenkt – und zahlreiche Schüler packen bei der Verteilaktion alljährlich tatkräftig mit an.

Nun waren fünf von ihnen mehr als zwei Wochen lang bei den Johannitern im Regionalverband Schwaben zu Gast. Dieser hatte den Austausch organisiert. Auf dem Programm standen neben dem Kennenlernen von Land und Leuten auch ein Besuch in der Tagespflege und Kinderkrippe Donauwörth. Bei einer eigens organisierten Reanimationsschulung wurden den fünf jungen Frauen und Männern Kenntnisse über die Herzdruckmassage und Defibrillation vermittelt. Und auch einen Sanitätsdienst durften sie begleiten.

Im Mittelpunkt de Aufenthalts stand ein zweiwöchiges Praktikum am Augsburger Klinikum Josefinum. Dieses hatten die Johanniter nach 2016 bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e.V. möglich gemacht und organisiert. Im Rahmen dieses Praktikums waren die jungen Frauen und Männer jeweils eine Woche im OP eingesetzt, in der anderen Woche arbeiteten sie auf verschiedenen Stationen mit und erlebten so den Arbeitsalltag an einer großen deutschen Klinik hautnah.

Sie selbst sehen das Praktikum in Deutschland als wertvolle Ergänzung ihrer vierjährigen Berufsausbildung an der Medical School Tuzla. „Wir durften alles sehen und sehr vieles selber machen, das gefiel mir gut“, fasst Sevleta Becirovic ihre Eindrücke zusammen. Sie spricht und versteht sehr gut Deutsch und kann sich gut in der für sie fremden Sprache ausdrücken. Ihre Kollegin Kata Veselcic ergänzt: „Die Kollegen lächelten und waren sehr nett.“ Und auch die Ausstattung im ganz neu gebauten und modern ausgestatteten Hauptgebäude des Josefinum sprach sie sehr an. Auch im Klinikum war man mit den jungen Leuten sehr zufrieden. „Sie waren sehr interessiert und kamen gut zurecht“, lobt Pflegedirektorin Dr. Sabine Berninger vom Josefinum.

Zu Hause in Bosnien-Herzegowina haben die Schülerinnen und Schüler erst einmal Sommerferien, danach beginnt ihr letztes Ausbildungsjahr. Die Zukunft ist etwas ungewiss. Während in Deutschland Pflegekräfte gesucht werden, gibt es in Bosnien-Herzegowina nicht genug Stellen. Auf die Frage, ob sie sich eine Tätigkeit in Deutschland vorstellen können, nicken Kata und Sevleta freudig. Denn sie haben beide schon eine ganz konkrete Stadt im Auge.

Gertrud Streit-Doderer, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter in Schwaben freut sich über den erfolgreichen Austausch: „Wir sind sehr stolz darauf, dass durch die Weihnachtstrucker-Aktion ein weiteres, nachhaltiges Projekt entstanden ist. Es ist wirklich eine große Freude, die jungen Menschen auf ihrem Weg ein Stück zu begleiten und wer weiß, vielleicht haben wir ja heute schon die Fachkräfte von morgen zu Gast bei uns.“
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