Weite Teile Schwabens noch immer ohne schnelles Internet

Diskutierten über die Breitbandversorgung in Schwaben (von links): Johannes Stepperger (LEW), Johannes Juppe (Geschäftsführer vbw Schwaben), die stellvertretende Kreisbäuerin von Aichach-Friedberg, Sabine Asum, und Wolfgang Thoma (Vorstand vbw-Bezirksgruppe Schwaben). Foto: Kristin Deibl
 
Immer noch Versorgungslücken: Vor allem auf dem Land klagen viele Unternehmen in Schwaben über mangelnde Breitbandversorgung. Foto: wklzzz/123rf.de

Laut einer Umfrage der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) sind 60,7 Prozent der schwäbischen Unternehmen mit der derzeit verfügbaren Bandbreite nicht zufrieden. Wie Sabine Asum, die stellvertretende Kreisbäuerin aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, schildert, gilt das insbesondere für Betriebe auf dem Land.

46,2 Prozent der schwäbischen Unternehmen bemängeln, dass Breitbandengpässe die Zusammenarbeit mit anderen Firmen behindern, 37,6 Prozent berichten, dass die Beziehungen zu Kunden darunter leiden. Nur etwa ein Drittel der befragten Unternehmer ist der Meinung, dass eine Ausstattung mit 16 Mbit/s Ende 2016 noch ausreichen wird. "100 Mbit/s für alle - und wo nötig, mehr, lautet also das Ziel der vbw in der Agenda 2020", so Wolfgang Thoma, Vorstandsvorsitzender der vbw Bezirksgruppe Schwaben. "Unternehmen müssen unabhängig von ihrem Sitz zuverlässig mit leistungsstarken Anschlüssen versorgt werden - auch außerhalb von Gewerbegebieten und in dezentralen Lagen."

Das sähe auch Kreisbäuerin Sabine Asum gerne, die in Laimering, bei Dasing, einen Hof mit Putenmast, Biogasanlage und Ackerbau betreibt. Sie macht deutlich, welche Bedeutung ein zuverlässig funktionierendes und möglichst schnelles Internet für Landwirte heute hat. Das beginne bei der zunehmenden Bürokratie. "Bisher können wir betriebliche Anträge noch in Papierform einreichen, aber gewünscht wird das nicht mehr", berichtet sie.

Ihren Tierbestand muss sie täglich online in einer Datenbank eintragen, Störungen ihrer Biogasanlage werden über das Internet auf ihrem Handy gemeldet und ihr Schlepper ist zur Schonung der Ackerböden und zur Einsparung von Kosten mit GPS ausgestattet. Doch trotz der modernen Ausstattung funktioniere das oft nicht richtig, bemängelt sie. "Der Breitbandausbau ist ein Muss. Es sollten gleiche Bedingungen geschaffen werden, in der Stadt und auf dem Land. Denn Dörfer ohne Breitbandverfügbarkeit sind im Wettbewerb benachteiligt."

1,5 Milliarden Euro werden vom Freistaat Bayern für den Breitbandausbau eingesetzt. 500 Millionen Euro investieren die Kommunen selbst. Doch wie kommt es, dass trotz des bestehenden Förderprogrammes gerade im ländlichen Raum viele noch auf die Breitbandverfügbarkeit verzichten müssen?

Gerade ältere Menschen auf dem Land hätten sich lange gegen die moderne Technik gewehrt und etwa auf Handschrift statt auf Computer gesetzt, meint Asum. "Jetzt muss man mitmachen, sonst ist man verloren." Thoma führt das Problem darauf zurück, dass die technische Entwicklung rasanter voranging als noch vor einigen Jahren erwartet. Man habe lange auf Kupferkabel gesetzt und nicht absehen können, dass diese bald an ihre Grenzen kommen würden.

Zudem scheinen aber auch erhebliche Informationsdefizite beim Thema Breitbandverfügbarkeit vorzuliegen. Obwohl im Herbst des vergangenen Jahres 60 Prozent der bayerischen Kommunen im Förderprogramm aktiv waren, konnten nur 11,3 Prozent mit Sicherheit sagen, dass ihr Unternehmen in einem für den geförderten Ausbau vorgesehenen Erschließungsgebiet angesiedelt ist. Thoma schlägt deshalb den Kommunen vor, die lokale Wirtschaft enger einzubinden, damit diese ihre Bedürfnisse zielgerichteter einbringen kann.

Informationen hat Sabine Asum genug, doch auf schnelles und zuverlässiges Internet in ihrem Betrieb wird sie trotzdem noch eine Weile warten müssen. Bis 2018 soll der Breitbandausbau in Dasing realisiert werden. Und auch Thoma weiß: "Die Erschließung der ländlichen Räume bleibt eine Herausforderung."
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