Weltbild: Kein Ende der Seltsamkeiten

Der neue Eigentümer der 67 Weltbild-Filialen äußert sich erstmals öffentlich zu seinem Konzept. Foto: Tabitha Assner

Das Rätsel ist gelöst: Der Käufer der 67 Weltbild-Filialen äußert sich erstmals öffentlich zu seinen Plänen. Trotzdem: Rüdiger Wenk kann nicht alle Seltsamkeiten des Deals ausräumen.

"So billig und einfach kommt man nicht an ein eigenes Geschäft." Das sagt der Berater von Rüdiger Wenk, dem Chef der Buchhandelskette "Lesensart" und Käufer von 67 Weltbild-Filialen. Was er meint: Ein Teil der Ladengeschäfte soll in einer Art Franchisesystem von einzelnen Betreibern geführt werden - auf eigenes Risiko, aber unter dem Dach von "Lesensart". Als Betreiber angedacht sind etwa bisherige Filialleiter, die so die Möglichkeit zur Selbstständigkeit erhalten sollen. "Einen Großteil der Filialen wolle Wenk jedoch selbst führen. Diese Pläne stellte das Duo der Süddeutschen Zeitung vor.

Wie seltsam das Geschehen um die 67 Filialen jedoch anmutet, zeigt, dass der Berater, der im Artikel als der eigentliche starke Mann hinter dem Deal vermutet wird, anonym bleibt. Rätsel gibt weiterhin auch die Einmischung des Weltbild-Investors Walter Droege auf. In Branchenkriesen heißt es, Droege habe viel Geld bewegt, um die defizitären Filialen loszuwerden.

Für eine Order des Investors spricht auch, dass Wenk zunächst vorhatte, "höchstens zehn bis 15 Filialen" selbst zu führen. Zwei Tage später dann doch einen Großteil. Andernfalls wäre schnell der Vorwurf der Zerschlagung aufgekommen.

Einige der Filialen seien wohl ohnehin nicht zu retten. So um die 20 Prozent, schätzt der Berater, seien gefährdet. Es könne gar an Branchenfremde verkauft werden, etwa an eine Eisdiele. Für die bestehen bleibenden Läden gelte es vor allem, die Mieten zu drücken. Ein Vorhaben, an dem bereits Weltbild scheiterte. "Ich schaffe das, ich mache das seit 30 Jahren", wird der Berater zitiert.

Ein weiterer Plan ist, dass die Filialleiter selbst entscheiden, was ins Sortiment kommt. Sie kennen schließlich die regionalen Bedürfnisse am besten. In den Internethandel möchte Wenk keinesfalls einsteigen, zu gering schätzt er die Verdienstmöglichkeiten ein.

Die 400 Mitarbeiter werden, wie Weltbild bereits gestern bestätigte, übernommen. Wenk verspricht, dass ihre Bezüge gleich bleiben. Ein Betriebsrat werde eingerichtet, kündigt der 48-Jährige an, der mit "Lesensart" nun hinter Thalia, Hugendubel und Weltbild die viertgrößte Kraft im deutschen Buchhandel führt.

Peter Fitz, Betriebsratschef in Augsburg, ist indes skeptisch, was den neuen Eigner angeht. Er sehe da "zu viele Unwägbarkeiten". Den Verkauf an sich bedauert er sowieso, weil dadurch "noch mehr Geschäft von Weltbild abgezogen wird".
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