"Weltwohnzimmer" in Augsburg: Studenten treffen Flüchtlinge

Die vier Mädels auf ihrem Projekt-Plakat: Einiges an Arbeit haben die Gruppen geleistet. Neben dem Kontakt zu den Flüchtlingen ging es auch um eine Präsentation der Leistungen für die Ausbildung. (Foto: Marina Eisenmann)

Die Studenten der Fachakademie für Sozialpädagogik der diako Augsburg haben ihr Projekt „Weltwohnzimmer“ abgeschlossen. Ein Resümee.

Ende vergangenen Jahres kam der Anstoß, vor einem Monat wurde das Projekt „Weltwohnzimmer“ der Studenten der Fachakademie für Sozialpädagogik der diako Augsburg mit einem „Begegnungstag“ abgerundet.
Dass daran neben den Lehrern mit Familien und den Schwestern der diako nur ein einziger Flüchtling teilnahm, mindert die Zeit der positiven Erfahrungen davor keineswegs, finden Sarah Anwander, Marina Eisenmann, Anna Ulrich und Monette Becker. Die vier sind Mitglieder der Pressegruppe, eine von mehreren Organisationsteams, die die Studenten für ihr Projekt gebildet haben. Die Flüchtlinge hatten Angst, durch die Veranstaltung „zur Schau gestellt zu werden“, erklären sie die Absagen.

Nichtsdestotrotz sind die Studentinnen stolz auf das, was sie auf die Beine gestellt haben. Schön fanden sie, dass die Gemeinschaft zwischen den Studenten, aber vor allem in den Gruppen und mit den Flüchtlingen so gut war – und dass sie gemerkt haben, wie wichtig es ist, den Mut zu haben, den ersten Schritt zu gehen, weil so schnell schöne Kontakte entstehen.

Anstelle eines Projekts in Kindergärten haben sich die 60 Studenten für eine andere Zielgruppe entschieden. „Aufgrund der aktuellen Thematik mit der Flüchtlingspolitik“ hätten sie den Vorschlag von den Lehrern angenommen, erklären sie. Die „Kirsche auf dem Sahnehäubchen“ wäre gewesen, wenn die Studenten von Beginn an das Konzept entwickelt hätten, sagen sie rückblickend. Doch auch so wurden die Studenten von der Idee angesteckt.

Ziel des Projekts: Flüchtlinge aus Augsburg und Umgebung miteinander in Kontakt bringen. Um das zu erreichen, hatten die Gruppen verschiedene Aufgaben – manche kamen erst am Begegnungstag zum Einsatz, andere, wie die Pressegruppe, waren dafür zuständig, die Arbeit und den Projektverlauf für alle Beteiligten möglichst transparent zu machen. Die „Süße Gruppe“ hat in direktem Kontakt mit und für die Flüchtlinge gebacken, bei „Leib und Wohl“ wurde gemeinsam gekocht. Auch ein Zoobesuch wurde organisiert, hierfür hatte sich die „Sprach-Gruppe“ eingesetzt.

Den Kontakt zu den Flüchtlingen hatten die Gruppen oft selbst hergestellt – eine eigens dafür zuständige „Kontakt-Gruppe“ merkte dabei, dass es „gar nicht so einfach“ sei, bei Flüchtlingsunterkünften anzufragen, gibt Marina Eisenmann, als Sprachrohr des Presseteams, die Erfahrung weiter.

Wie die Studenten an die Herausforderungen, die sich im Laufe der Umsetzung ergeben haben, herangingen, zeigt sich bei der „Musik-Gruppe“: Als die Teilnehmer wenig Interesse am Musizieren fanden, wurde kurzerhand umgeplant und einfach mal nur Fußball oder Kicker gespielt.

Marina Eisenmann ist sich sicher, dass es für die Flüchtlinge bereichernd war, an den Aktionen teilzunehmen. „In den Kleingruppen ist der Kontakt sicherlich gelungen“, beurteilt sie die persönlichen Erfahrungen der Gruppen. „Das Feedback der Flüchtlinge war so gut, dass einige Studenten sich vorstellen können, sie auch nach dem Ende des Projektes wieder zu besuchen“, berichtet Anna Ulrich.

Sie erzählt auch, dass sie von der ursprünglichen Idee abgekommen seien, sich an Flüchtlingsfamilien zu wenden, weil eher einzelne Jugendliche Interesse an den Aktionen gezeigt hätten. Insgesamt haben knapp 50 Flüchtlinge, darunter auch Mütter mit ihren Kindern, die Angebote wahrgenommen.

„Mit Gestik, Mimik und Zeigen“


Eine andere Herausforderung bei der Begegnung war die Sprache. Doch meistens hätte einer der Teilnehmer so gut Deutsch gesprochen, dass er als Dolmetscher fungieren konnte, erzählt Sarah Anwander. „Notfalls viel mit Gestik, Mimik und Zeigen.“ Das gebrochene Deutsch, das die meisten Flüchtlinge beherrschten, hatte außerdem alltägliche Hilfen, zum Beispiel bei Hausaufgaben, ermöglicht.

Termine vermitteln hätte nicht immer so gut geklappt, wendet Marina Eisenmann ein. „Mal kam einer dazu, mal ist einer weg von den Gruppen“, beschreibt sie den Wechsel der Teilnehmer. Die Studenten wissen, dass ihre Aktionen von den Flüchtlingen eher als Angebote wahrgenommen wurden, die „mal genutzt wurden, und mal eben nicht. Sie haben einzelne Momente erlebt. Der Projektcharakter war nur für uns ersichtlich.“

Umso wichtiger war ihnen der Abschluss, die Aufarbeitung am Begegnungstag. Dabei gab es Überlegungen, diesen ausfallen zu lassen, weil immer mehr Flüchtlinge abgesagt hatten. Zwischendrin hat „das die Stimmung ganz schön gedrückt, und uns demotiviert“, gibt Anna Ulrich zu.

Doch der Begegnungstag fand statt, er war ein guter Abschluss des Projekts. Der Austausch untereinander und die Wertschätzung, die sie für ihre Arbeit durch die Lehrer erfahren haben, hätten die „Lernerfahrung toll abgerundet“, zieht die Gruppe das Fazit. Unter anderem wurden Kerzen gestaltet, Salzteig geknetet und gesungen. Der Flüchtling, ein Syrer, der zum Abschluss gekommen war, und die restlichen Besuchen haben das Fest, die Stimmung und die Aktionen wohl sehr genossen.

Abschließend ist sich die vier Mädels einig: Es war ein Projekt, in dem sie viel gelernt haben. „Dass eine positive Grundeinstellung und Offenheit gegenüber Neuem sehr wichtig ist“, nimmt Anna Ulrich daraus in jedem Fall mit.
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