Wenn die Sonne scheint, wird es eng am Ilsesee

Wenn die Sonne scheint, wird es eng am Ilsesee. Foto: privat


Am Ilsesee kann jeder baden und schnorcheln, auf dem Spielplatz herumtollen und faulenzen - und es gibt einen ausgeschriebenen Bereich, in denen Grillfreunde ausgiebig braten dürfen. Es könnte so schön sein.

Doch die Grillzone ist manchen nicht genug. Laut Alexandra Hoffmann aus Königsbrunn nehmen nicht wenige den Grillbereich und die Hälfte der Liegewiese bis zum Piratenschiff in Beschlag. Andere stellen ihren Grill ganz woanders auf. Dabei ist klar: Außerhalb des Grillbereichs ist das Grillen beziehungsweise das Errichten und Betreiben von Lagerfeuern gemäß der Grünanlagensatzung der Stadt Augsburg untersagt. Feuer darf in Grillgeräten nicht mit brennbaren Flüssigkeiten oder chemischen Zündhilfen entfacht werden, und Feuerstätten sind so zu betreiben, dass sie nicht gefährlich werden können - sie müssen ausreichend beaufsichtigt sein.

Dass die Grillgelage am Ilsesee überhand nehmen - und damit der Qualm, der Spiritusgestank, der Müll - beobachtet Hoffmann seit drei Jahren. "Jedes Wochenende entsteht gegenüber der Wasserwacht ein riesiger Grill- und Campingplatz, an dem Dutzende Menschen grillen, mit Holz und vor allem mit Spiritus. Die kommen mit ihren Pavillons, ihren Bierbänken und -tischen, um Geburtstage zu feiern." Hoffmann habe nichts dagegen, wenn jemand Spaß habe oder im Grillbereich grille: "Aber wenn die Grillmeister keine zwei Meter von einem weg stehen, ist das nicht in Ordnung. Zumal wir kleine Kinder dabei haben", klagt Hoffmann.

An einem Sommertag sei Hoffmanns Familie unter einem Baum gelegen. Genau dort habe sich jemand am Unterholz zu schaffen gemacht und Brennholz herausgeholt, mit dem er unter dem Baum ein Feuerchen in einem silbernen Säulengrill entzündet habe - keine drei Meter entfernt sei der Kinderwagen mit dem schlafenden Kind gestanden. Solch ein Erholungsort sei alles andere als erholsam - und kaum sauber, findet Hoffmann. Was vom Wochenende bleibe, seien Getränkekartons, stinkende Bierflaschen, verbranntes Gras und angesengte Büsche. "Natürlich sind auch welche dabei, die aufräumen. Andere aber schleppen kistenweise Bier und Limonade an. Da wird den ganzen Tag gegrillt. Es stinkt permanent. Da kriegt man irgendwann Kopfweh." Einige seien unverschämt und angetrunken.

Obgleich der Großteil der Liegewiese samt See auf Augsburger Flur liegt, landen viele Beschwerden im Königsbrunner Ordnungsamt. "An einem heißen Wochenende habe ich montags ein bis drei Anrufe", berichtet Roland Krätschmer. Die Probleme gebe es vor allem in den Ferien, am Wochenende - wenn die Sonne scheint. "Sobald schönes Wetter ist, liegen alle aufeinander."

Wie Königsbrunn hat die Stadt Augsburg Kontrolleure, die nach dem Rechten sehen. Laut Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben ist der Ilsesee allerdings nicht "ungewöhnlich" auffällig. Aktuell sollen keine Beschwerden vorliegen. "Wir können feststellen, dass der Ilsesee ein sehr beliebter Naherholungsbereich ist und auch der Grillplatz intensiv genutzt wird. Bei schönem Wetter erleben wir an allen Grillzonen, insbesondere an den Seen Kuhsee, Autobahnsee, Bergheimer Baggersee und am Ilsesee eine sehr intensive Nutzung." Möglicherweise werde auch außerhalb der Grillzonen gegrillt. "Allerdings konnten am Ilsesee bisher keine bleibenden Schäden festgestellt werden." Nach einer stichprobenartigen Kontrolle des östlichen Ilsesee-Ufers am 30. Juli konnte die Stadt Augsburg "Grillen außerhalb der Grillzonen" nur in zwei Einzelfällen in den Nachmittagsstunden feststellen.

Ebenso erklärt Helmut Kleber von der Polizeiinspektion Bobingen, dass es immer wieder Wildgriller am Ilsesee gebe. "Aber das ist nicht übermäßig gravierend. Wenn wir Wildgriller sehen, beanstanden wir das." Um den Ilsesee kümmern sich die PI Bobingen und Augsburg Süd gemeinsam. Dennoch, die Polizei könne nicht sieben Stunden pro Tag am Ilsesee sein. Darum fordert Kleber die Bürger auf anzurufen: "Wir kontrollieren im Rahmen unserer Möglichkeiten - aber jeder kann sich bei der Polizei melden."

Alexandra Hoffmann verlangt, dass die Stadt Augsburg den Grillplatz vergrößert - oder ganz abschafft. Sie wünscht sich, dass der Ilsesee wieder zu einem Erholungsort wird, dass die Menschen mehr Rücksicht nehmen und sich an die Regeln halten.

Änderungen sind laut Erben jedoch nicht geplant. "Mit Änderungen und Erweiterungen von Grillzonen muss sehr sorgsam umgegangen werden", sagt Erben. Es sei eben immer eine Gratwanderung zwischen Belästigung von Anwohnern und Badegästen und dem Bedürfnis nach Grillplätzen. (Natascha Höck )
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