Wenn Kinder fliehen müssen

Die Welt durch Kinderaugen. Das Bild „Die Welt“ mit Lorina (links) und Servinja (rechts) entstand vor dem Grandhotel, der neuen Heimat der Flüchtlingsmädchen in Augsburg. Lorina lebt hier mit Eltern, Bruder und Schwester. Ihre Mutter stammt aus der Ukraine, ihr Vater aus Syrien. Sie möchte später gerne Kinderärztin werden. Servinja kommt aus dem Irak, lebt mit ihrer Mutter zusammen und ihr Lebenstraum ist es, eine professionelle Surferin zu sein. Foto: Christina Bleier

Die Flüchtlingssituation wird in der Ausstellung „Neustart. Flüchtlingskindheit in Augsburg: Sechs Kinder, ein Schicksal“ durch Kinderaugen gesehen.

Das Thema Flüchtlinge dominiert die täglichen Nachrichten. Hinter den Zahlen und Problemen stehen meist Menschen, die vor Krieg oder Armut aus ihrer Heimat geflohen sind und in der Fremde neu anfangen wollen. Die Ausstellung „Neustart. Flüchtlingskindheit in Augsburg“ stellt sechs Kinder und ihre Familien vor.

Diese Foto-Ausstellung des Bezirks Schwaben wirft durch die hier gezeigte Perspektive aus der Sicht der sechs Kinder ein anderes Licht auf das Thema: Die Flüchtlingskinder Hassan, Lorina, Marija, Sedat Servinja und Wassim erzählen mit ihren selbstgeschossenen Fotos über ihren Alltag, geben Einblicke in ihr Familienleben, ihre Träume, ihr Deutschland. Alle sechs Kinder sind im Alter zwischen acht und elf Jahren, wohnen in Augsburger Flüchtlingsunterkünften und wurden für den Bezirk Schwaben von der Fotografin Christina Bleier begleitet und portraitiert. Ein Teil der Fotos ist in der Neuen Stadtbücherei Augsburg zu sehen, weitere im Foyer des Annahofs und dem dortigen Café.

Die umfangreiche Schau besteht aus zwei Teilen und wird gleichzeitig an zwei Orten gezeigt: In der Neuen Stadtbücherei Augsburg und im Evangelischen Forum Annahof.

In der Neuen Stadtbücherei Augsburg werden ein Junge und ein Mädchen näher vorgestellt. Sie präsentieren sich mit eigenem Steckbrief, selbstgeschossenen Fotos und den Bildern der Fotografin Bleier. Daneben verkörpert die großformatige Collage „Sechs Kinder – Ein Schicksal“ das Motto der Ausstellung.

Im Evangelischen Forum Annahof zeigen die Bilder den Alltag der Flüchtlingskinder in ihren Familien und in der Schule. Berührend erscheinen hier die sogenannten „Lebenstraum-Fotos“, von den Kindern selbst aufgenommene Bildkompositionen. Mit den beiden öffentlich zugänglichen Ausstellungsorten möchte der Bezirk Schwaben ein breites Publikum erreichen.

Die Kuratorin Stefanie Kautz wollte so den Flüchtlingskindern ein Gesicht und eine Stimme geben. Da sie davon ausging, dass die Kinder noch nicht genug Deutsch sprechen, plante sie ein Fotoprojekt mit Bleier. Das Diakonische Werk Augsburg vermittelte den Kontakt zu Kindern. Koordinatoren der Hausaufgabenbetreuung in den Unterkünften Ottostraße, Windprechtstraße und Grandhotel wählten sechs Kinder aus (jeweils zwei pro Unterkunft), die gefragt wurden, ob sie Lust hätten, dabei zu sein: Hassan aus Afghanistan, Lorina (Vater Syrien, Mutter Ukraine), Marija aus Mazedonien, Sedat aus Serbien, Servinja aus dem Irak, Wassim aus Syrien.

Im Oktober 2014 startete die Projektarbeit. In den folgenden fünf Monaten besuchte Bleier die Kinder in der Schule. Sie ging mit ihnen in die Stadt und erkundete ihre Lieblingsorte, begleitete sie in der Freizeit und nahm ein wenig an ihrem Familienleben teil. Mit Hilfe einiger Requisiten inszenierte die Fotografin die kindlichen „Lebensträume“: Fußballer, Popstar, Kinderärztin, Surferin und Verkäufer im Elektrohandel.

Neben den Fotos sollten die Kinder aber auch selbst Fotos von sich und ihrem derzeitigen Leben machen. Hierfür wurden zwei Digitalkameras besorgt. „Die Kinder nahmen diese im Wechsel mit nach Hause und brachten sie nach einiger Zeit dann mit Fotos und kleinen Filmen gefüllt zurück. Es war immer spannend und manchmal auch sehr lustig zu sehen, was den Mädchen und Jungen eingefallen war“, freut sich Kautz.

Zum Abschluss des Projektes durften die Kinder Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert in seinem Büro am Hafnerberg besuchen, ihn mit Fragen „löchern“ und den Bezirk kennenlernen. Im Anschluss lud er alle Kinder noch zu einem Eis ein, der erklärte Höhepunkt eines gelungenen Nachmittags.

Vom 1. April bis zum 4. Oktober war die Schau bereits in Schloss Höchstädt zu sehen. „Bei der Eröffnung waren die Projekt-Kinder mit ihren Familien dabei und staunten, als sie sich in Bildern an den Wänden des Schlosses wiederfanden. Nun freuen wir uns, die Fotos noch einmal in Augsburg zeigen zu können“, sagt Kautz.

Die Ausstellung ist noch bis 7. November in der Stadtbücherei sowie bis zum 18. November im evangelischen Forum des Annahofs zu sehen.

von pm
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