Wertinger Museen: Eisen läutet die Neuzeit ein

Für Peter Bogner stellt der Eisenbarren eine Schlüsselposition dar. Mit dem Eisen begann nämlich die Neuzeit. Foto: Cornelius Brandelik

Peter Bogner suchte sich einen Eisenbarren aus. Dieser befindet sich in einer Vitrine im Obergeschoss des Schlosses gegenüber der Bauverwaltung. Er stellt für Bogner eine Schlüsselposition dar: Nach Steinzeit und Bronzezeit folgt nämlich die Eisenzeit, die bis heute andauert, wenngleich das Element mittlerweile zum Teil durch den Werkstoff Kunststoff abgelöst wird.

Peter Bogner, am 22. Dezember1946 geboren, wuchs in Wertingen auf, ging in Dillingen aufs Gymnasium und studierte in München Chemie, Biologie und Physik fürs Lehramt an der Realschule. 36 Jahre lang unterrichtete er seine Fächer an der Realschule Maria Stern in Augsburg.

Seit 2012 ist Bogner im Ruhestand. Als Fachmann der Chemie bringt er sein Wissen auch bei diffizilen Konservierungen ein.

Zum Treffen hat Bogner zusätzlich einen grünlichen Barren mitgebracht: einen Kupferbarren. Etwa von 2000 bis 800 vor Christi Geburt sprechen Historiker von der Bronzezeit. Die Legierung Bronze wird aus Kupfer und Zinn hergestellt. Beide Metalle kommen in unserer Gegend nicht vor, sind also reine Handelsware.

Der mitgebrachte Kupferbarren entstammt einem Hortfund bei Emersacker. Vermutlich vergrub ein Händler oder ein Schmied seine Ware, um sie vor Diebstahl zu schützen. Da Kupfer in unserer Gegend nicht vorkommt, musste es aus dem Harz oder dem Mittelmeerraum bezogen werden.

Kupfer ist einer der beiden Ausgangsstoffe für die Herstellung von Bronze. Der zweite Ausgangsstoff Zinn wurde vorwiegend aus England importiert. Der Kupferbarren besitzt keine „Norm“. Seine äußere Form ist von der Grubenform abhängig: Mal ist sie eher rund, mal eher viereckig.

Aus heimischer Herstellung

Demgegenüber ist der Eisenbarren aus heimischer Herstellung. Davon zeugen Funde von Verhüttungsofenresten beispielsweise im Ried oder von Trichtergruben in Ustersbach. Der Barren im Wertinger Schloss wurde Anfang der 1970er-Jahre aus der Donau bei Gremheim ausgebaggert.

Der Eisenbarren weist eine markante Form auf: Er ist doppelpyramidenförmig und läuft an den beiden Enden spitz aus. Das hat zum einen bei der Lagerung Vorteile in der Raumnutzung, zum anderen konnte der Schmied an der Beschaffenheit der Enden die Qualität des Produktes prüfen. Waren sie brüchig, handelte es sich um mindere Qualität, die Schlackeneinschlüsse aufwies und schlecht ausgeschmiedet war. Waren sie dagegen elastisch, war die Beschaffenheit gut, und das Material weitgehend ohne Asche, Kohle und Schlacke.

Als Ausgangsmaterial dienen Geoden, die in Hohlkörpern Mangan und Eisen enthalten. Diese Geoden werden zertrümmert und klein geklopft, bevor sie dann im Rennofen mehrere Tage gebrannt werden.

Die Kelten bauten diese etwa 1,30 Meter hohen Kuppelöfen aus Lehm und schichten abwechselnd Holzkohle und Eisenerz im Inneren. Luftzufuhr durch Löcher in der Ofenaußenwand sorgen für entsprechende Temperaturen, so dass das Eisen sich vom Erz trennt und zähflüssig nach unten auf den Boden des Ofens abfließt, während die übrig gebliebene Schlacke, insgesamt leichter als Eisen, auf dem Metall schwimmt. Durch einen Ausgang am Ofen kann sie abfließen.

Ab 800 vor Christus

Übrig bleibt ein Eisenschwamm, der mit Restschlacke vermischt ist, die sogenannte „Luppe“.

Diese wird so lange geschmiedet, bis alle Verunreinigungen mit dem Hammer aus dem Eisen herausgetrieben sind. Danach wird das Eisen weiterverarbeitet, zum Beispiel zu Barren als Handelsform. Diese Art der Eisengewinnung kennt man ab etwa 800 vor Christus. Den Nachbau eines Rennofens findet man im Stadt- und Hochstiftsmuseum in Dillingen.
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