Wildpferde bleiben dem Stadtwald erhalten

Viel zwischen die Beißer bekommen die Wildpferde im Augsburger Stadtwald. Und das ist gut so: Sie fressen die Altgrasbestände des lichten Kiefernwaldes ab, so dass andere Arten sich dort entfalten können. Foto: David Libossek
 
Romantisches Rasendinner: Diese beiden Hengste üben wohl schon für den späteren Umgang mit den Stuten. Foto: David Libossek

Sie sind die Stars im Augsburger Stadtwald: die Przewalski-Pferde. Mit ihren buschigen Mähnen sehen sie nicht nur toll aus - sie sind auch bedeutsam für das Ökosystem. Die Zukunft der natürlichen Rasenmäher ist trotz auslaufender Förderung sicher.

Ganz sachte senkt sich der massive Kopf des Hengstes. Die runden, dunkelbraunen Augen blicken entspannt zwischen dem dichten, hellbraunen Fell hervor. Er ist jetzt so nah - man kann das kräftige Schnauben aus den schwarzen, feuchten Nasenlöchern spüren. Die kalte Luft dampft, ob des warmen Atems des Pferdes. Die Neugier des Tieres ist jetzt befriedigt. Es macht kehrt, stößt zu seiner Gruppe, senkt den Kopf und knabbert wieder an den Grashalmen.

Die Przewalski-Pferde im Stadtwald sind Menschen gewohnt. Zahlreiche Besucher kommen seit 2007 an die Hasenheide, um sie zu beobachten. Auch für Bayerns Umweltminister gehört das Gehege seit acht Jahren zum Pflichtprogramm. Nun war Ulrike Scharf an der Reihe, die beeindruckenden Tiere mit den ungezähmten Mähnen aus der Nähe zu betrachten.

Für den Zeitpunkt ihres Besuchs erntete sie ein Sonderlob. "Ihre männlichen Vorgänger waren alles Warmduscher, die waren im Sommer hier", begrüßte Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, die Ministerin. Liebig hat das Projekt mitinitiiert.

Er räumte gleich einmal mit Spekulationen auf. Auch nach Ende der Projektförderung werde es Wildpferde im Stadtwald geben versprach er und warf sogar die Möglichkeit "weiterer Weideprojekte dieser Art in Augsburg" ein. 160.000 Euro Fördergelder waren seit 2011 in das Projekt geflossen. Diese waren größtenteils in einen neuen Zaun für das Gehege geflossen.

Ansonsten seien die Pferde günstig - denn es ist eine klassische Win-Win-Situation: Die Pferde halten die Grasschicht kurz und drängen die Sträucher zurück, wodurch viel Sonnenlicht den Boden erreicht. So ermöglichen die Wildpferde durch ihr Fressen, zahlreichen seltenen Tieren und Pflanzen sich auf der lichten Kiefernwaldfläche und der angrenzenden Lechheide zu entwickeln. Es funktioniert, geschätzt 3000 verschiedene Arten beherbergt das Naturschutzgebiet. Und die Pferde brauchen kaum zusätzliches Futter.

Auch sie sind besondere Lebewesen. Nur rund 2000 Przewalski-Pferde existieren weltweit. Die fünf Exemplare im Stadtwald sind alle Hengste. Die Junggesellengruppe wird darauf vorbereitet, sich spielerisch gegen ihre Artgenossen zu behaupten. Später sollen sie in Zoos einen Stuten-Harem übernehmen und die Fortpflanzung sichern. "Das ist auch in der freien Natur der Vorgang", erklärt Norbert Pantel, der das Projekt leitet. Auch hier müssten sich die jungen Hengste irgendwann ihren Harem erkämpfen. Zwei bis drei aus der Fünfergruppe dürfen noch in diesem Jahr die Damenwelt erobern. Sie werden durch neue Jungtiere ersetzt.

Zum Erwachsenwerden haben sie in Augsburg seit 2011 mehr Platz. Von 15 auf fast 30 Hektar wurde ihr "Semi-Reservat" vergrößert - die angrenzende Heide ist hinzugekommen. "Dank des FC Augsburg", erklärt Liebig, konnte die Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Weil nämlich der Fußballverein sein Stadion baute, wurde der Bereich als Ausgleichsfläche ausgewiesen. Und die soll nun auch Teil von Augsburgs Weltkulturerbeplänen werden: Aus der dortigen Quelle speisten die Bewohner der Fuggerstadt bereits im 15. Jahrhundert ihr Wasser.

Kein Wunder, dass das insgesamt 60 Hektar umfassende Gebiet des Weideprojekts die Menschen anzieht. 6000 Führungen haben sechs ehrenamtliche Mitarbeiter bereits gegeben. Nicht nur der Pferde wegen. Fast eine halbe Millionen Sumpfgladiolen blühen hier, auch ist der blau-grüne Blauling - er ist der Schmetterling des Jahres - hier zuhause.

"Die Bundeskanzlerin verpasst etwas", spielte Ministerin Scharf auf den ebenfalls am Montag geplanten Besuch von Angela Merkel bei der Augsburger Firma Kuka an. "Nämlich eines der großartigsten Umweltprojekte Bayerns."
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