Wortschätzle 100 - Jubiläum - Leit, schwädzd Schwäbisch!

Mit dem Glufaseggle fing alles an. (Foto: ©marquardt21 / 123rf.de)
Hier ist nun das, was niemand erwartet hatte: Das 100. Wortschätzle. Die schwäbische Glosse in der StadtZeitung wurde zum Renner, dank der überwältigenden Leserreaktionen.

I hädds ja nieaned globd, dass i 100 Wortschätzla schreib – aber jedzd isches so weid.

Agfanga hods midm „Glufaseggle“ im Januar 2015, wo i eich ans „Waschklammernsäckchen“ erinnerd hab, eich gsagd hab, dass Glufa Sacha san, mit deane ma was feschd machd, Waschklammern aber auch Reißzwecken, Reißnägel.

Viele schwäbische Wörter und Redewendungen bereicherten mittlerweile die StadtZeitung in der wöchentlichen schwäbischen Glosse, im „Wortschätzle“– unterbrochen nur wenn der Schwob im Urlaub oder krank war. Wörter, die heutzutage kaum mehr gebraucht werden, auch auf dem Land oftmals in Vergessenheit geraten sind.

Hunderte von Lesern haben sich auf die Wortschätzla gemeldet, haben mir von vielen Wörtern erzählt, die sie noch aus ihrer Kindheit kannten, die kaum mehr jemand kennt, die verschollen scheinen. Leser, die von Begebenheiten erzählten, teils von ganz persönlichen. Briefe in Schwäbisch geschrieben gingen in der Redaktion zu Dutzenden ein, waren auch immer wieder Anregung und Quell. Abgeschriebene Lieder und Gedichte, gar Kassetten, auf die schwäbische Bücher gesprochen waren, hatte die fast 90-jährige Frau Maier vorbei gebracht.

Und ursprünglich dachte ich, schreibst halt mal so zehn Wortschätzla über schwäbische Wörter, der Wunsch kam von der Redaktionsleitung: „Wenn dann kannst Du das, Du sprichst immer schwäbisch“ – so war der Auftrag. Von einzelnen schwäbischen Wörtern entwickelte es sich weiter, es kamen bald auch sehr persönliche Geschichten dazu.

Die Leserreaktionen waren es, die mich anspornten weiterzuschreiben, auch in meinen hintersten Hirnwindungen nach schwäbischen Worten und Redewendungen zu suchen, Bücher zu wälzen, mit Senioren zu reden, wie sie früher die Dinge benannt hatten. Und dann gibt es die Leser, die immer wieder anrufen, neue Wörter nennen, Leser, die man mit der Zeit lieb gewinnt, da man anfängt auch deren Geschichten und Familien kennenzulernen.

Beim Schreiben habe ich oftmals laut gelacht, so auch im ersten Weihnachtswortschätzle, in dem dr Erzengel Michael den Seppi über die „jungfreilicha Empfängnis“ aufklärt,
„deam erklär i’s scho so lang, bis er’s globd“. Manchmal war’s auch nachdenklich, wenn’s ums „Bsengnis ond Leichafingr“ ging und ich mich an so manchen Todesfall erinnerte.
„Wissed se was a ’Dogganandl’ isch?“ Das war wohl das meistvorgeschlagene Wort der Leser, „hend se des scho gschrieba?“ Klar, das war in einem der ersten Wortschätzla drin.
Auch kritische Stimmen gab es: Schwäbisch sei eine wüste Sprache, wie man so etwas nur unterstützen und abdrucken könne, die Zeitung habe doch einen Lehrauftrag für Deutsche Sprache. Aber diese Kleingeister haben wir bei der StadtZeitung ignoriert. Auch dass meine Wortschätzla nicht reines Augsburger Schwäbisch sind, musste ich mir vorwerfen lassen, aber die StadtZeitung hat ja auch eine größere Verbreitung. Mein Schwäbisch ist geprägt durch familiäre Bande hinaus in die Stauden mit Tendenz ins Allgäu, wo ich als Kind viel war, und nachdem sich die Begriffe von Tal zu Tal, von Ort zu Ort ändern in ihrer Bedeutung, Aussprache und somit auch der möglichen Schreibweise, ist es legitim zu sagen: „I schreib Schwäbisch aus onserer Region.“

Die Schreibweise der schwäbischen Wörter ist ein Problem, eigentlich müssten dazu spezielle Zeichen eingeführt werden für spezielle schwäbische Laute, für Nasale und Rachenlaute. Aber dann würde es keinen Spaß mehr machen, es zu schreiben und zu lesen – da hod dr Schwob elle Viere grad sei lossa ond hod oifach drauf losgschrieba, wia eam dr Schnabl gwachse isch. De Meischde hends vrschdanda, sonschd wäred dia kloine Gsädzla ja ned so guad bei de Lesr akomma. Im ibriga san dia Lesr dr Wortschätzla ned bloß alde Leid, au Junge ruafed an. Manche Großmutter macht sich auch den Spaß und lässt die Enkel die schwäbischen Wörter und Texte vorlesen.

Und immer wieder kam die Frage: „Woher kennsch Du denn elle dia Wörter? So ald bisch doch garned.“ Viele stammen noch aus meiner Kindheit, von dr Großmuadr her, vom schwäbisch Schwädza mit andre Schwoba ond aus Biachr. Aber die Erinnerung an früher ist dabei meine wichtigste Quelle.

Die Erinnerung – in Altenheimen werden von zwei Therapeutinnen die Wortschätzla hergenommen, um Therapiestunden mit Demenzkranken zu bereichern. Die Kranken erinnern sich wieder an Vieles, an Wörter, Begriffe, Begebenheiten, an ihre Kindheit, ihre Sprache, ihr längst vergessenes Leben – und allein das ist Beweggrund genug, mit den Wortschätzla weiter zu machen – das hat mich als Autor sehr berührt.

Liebe Leser, danke für Ihre Unterstützung und die vielen amüsanten Geschichten und Gespräche in den vergangenen zweieinhalb Jahren. Leit, schwädzd Schwäbisch!

Alle bisherigen Wortschätzla gibt's hier.

Wenn Sie noch alte Schwäbisch-Augsburger Begriffe kennen, melden Sie sich bitte bei der StadtZeitung bei Redakteur Stefan Gruber unter Telefon 0821/5071-254, damit wir die „vergessenen Wörter“ unseren Lesern wieder bekanntmachen können.

Stefan Gruber - dr Schwob 
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2 Kommentare
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Sebastian Summer aus Aystetten | 14.08.2017 | 17:09  
Stefan Gruber aus Augsburg - City | 16.08.2017 | 13:04  
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