Wortschätzle 12 - A Zupfl isch keu Schnall ned

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Stefan Gruber

Es menschelt auch beim Schwaben - damit meine ich nun nicht den Gebrauch des Wortes Mensch, das je nach Artikel Unterschiedliches bezeichnet, so als »der Mensch« natürlich den Menschen an sich, aber mit dem sächlichen Artikel, »das« in der Form »des Mensch« und »aMensch« eine Frau meint - die Benutzung dieser Bezeichnung war und ist immer despektierlich, negativ gemeint. Nein, ich meine, dass der Schwabe, zumindest verbal, auch ein Doppelleben hat. Denn er kennt das Wort »Schnall« als Bezeichnung für Frauen, die dem horizontalen Gewerbe nachgehen und natürlich auch den »Schnallatreiber«, den dazugehörigen Zuhälter.

So mancher ging da wohl in die Stadt zu »ner Schnall« oder »am Mensch«, während er sein »Wei«, sein Weib oder Frau, lieber beim Herrgott unterm Kruzifix sah, auf »de Gnui gniagla« (auf den Knien) mit dem »Boder«, dem Rosenkranz in der Hand um Vergebung flehen, weil ihr vielleicht die Kässpatzen angebrannt waren und er »firdloffa«, fortgelaufen, abgehauen ist. Solche »liadrige Haderlumpa«, also schlechte, miese Kerle - und das im sauberen Schwobaländle! Das Wort »Schnall« ist aber auch etwas abgemildert für eher charakterlich zweifelhafte Frauen in Gebrauch, oder für welche, die so aussehen.

Die »Zupfel« ist aber eine ganz Harmlose, sie ist nur nicht hergerichtet, schlecht gekleidet und gibt nicht Acht auf ihr Äußeres, »dia is halt dann recht zamzupft«. Somit: »A Zupfl isch keu Schnall ned!« Trotz der grammatikalisch schwierigen Konstellation der doppelten Verneinung »keu...ned«, »kein... nicht«, die eindeutig nur »kein« oder »nicht« bedeutet und sich nicht gegenseitig aufhebt, übersetze ich den Satz diese Woche nun nicht!

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