Wortschätzle 13 - Die Freinacht und das »Maiele«

(Foto: © olgavolodina / 123rf.de)
Stefan Gruber

Ein Schwabe unterwegs in Berlin. Die Stadt ist multi-kulti, dahin sind in den vergangenen 25 Jahren auch viele Schwaben ausgewandert und trotzdem hab ich vergangenes Wochenende dort niemanden gefunden, der ein »Maiele« aufstellt. Was das ist? Eine kleine Birke, geschmückt mit langen farbigen Bändern, die ein Bursche in der Nacht zum 1.Mai seiner Liebsten ans Haus oder an den Zaun stellt, festmacht, damit jeder weiß, des Mädle (dieses Mädchen) ist heiß begehrt. Und auf den Berliner Märkten gabs nette und »bruddlige Leit«, also missmutig und leise vor sich hin schimpfende Menschen, wie in Augsburg auch.

Ja der Augsburger Stadtmarkt war früher in meiner Kindheit schon etwas anders. Früher waren viel mehr Bauern dort, die ihre Waren anpriesen, die auch ihre frisch »gschlüpfte Biberla« (mit langem i, Einzahl Biberle, Hühnerküken) und etwas größere »Heala« (junge Hühner) und »Entla« (Entchen) in Holzkisten mit dabei hatten. Aber die Zeiten sind längst vorbei. Ein »Bibberle« (Einzahl) kann mit kurzer Betonung auf dem i etwas unreines, wie ein kleines Bläschen, »a kleune Bloddr«, auf der Haut sein, die aufgekratzt mit »nem Pflaschdr« (Pflaster) abgedeckt wird.

Stellt in der Nacht zum Freitag, 1. Mai, in der Freinacht, lieber »Maiele« auf, als dass ihr böswillige, strafbare Streiche anstellt, die keinen Spaß mehr machen. Ich würde mich über ein aktuelles Maiele-Foto freuen, um kommende Woche zu zeigen, dass dieser nette Brauch in unserer Region noch gepflegt wird. »Los Buaba, zeigts es deane Berliner und eire Mädla, dass ihre se megts!« Aber Vorsicht: Die Birke sollte legal geschlagen sein!

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