Wortschätzle 15 - A gelbe Wies voller Bettseucherbluama

(Foto: ©dakfoto / 123rf.de)
Stefan Gruber

Es war eine wunderschöne Wiese voll mit gelben »Bettseucherbluama« - Löwenzahn, wegen des austretenden weißen Milchsaftes. »A Plastikgugg in da Hosensack gschdegt« - eine Plastiktüte in die Hosentasche gesteckt - und nix wie hin. Doch die Böschung war sehr steil und prompt hat's »mi da Ranga na gschlaga und mi granatamäßig aufs Fidla gschlaga« - frei übertragen: ich bin ausgerutscht, mich hat es heftig auf den Hintern gesetzt und ich bin zu schnell die steile Böschung hinab. Nein, ich bin kein Schussel und stürze nicht jedes Wochenende in den Dreck, auf dass ich aussehe wie eine »Loas«, eine Muttersau. Diesmal waren es nur Grasflecken in der Jeans. Am »greana Hemed, des mr um de Ranza a bissle gschband hat« - am grünen Hemd, das mir um den Bauch etwas spannte - fehlen nun zwei Knöpfe. Was soll's, nun wird Löwenzahngelee gemacht - das muss im Mai sein.

Stichwort Mai und »Maiele«: Sandra aus Kutzenhausen hat ein Foto von ihrem »Maiele« eingeschickt - bunt geschmückt und richtig groß. Wenn man über Land, durch die Stauden fährt, sieht man doch vereinzelt diese Liebesbeweise vor den Häusern stehen. Doch Sandra schrieb, dass das ihr drittes und somit letztes Maiele sei. Denn, so auf alle Fälle im Bereich Dinkelscherben üblich, wer dem selben Mädle drei Mal ein Maiele stellt, der muss es im kommenden Jahr heiraten - das kommt einer Verlobung gleich. Sandras Schätzle hat ihr erst im achten Jahr der Beziehung das dritte Maiele gestellt - drum prüfe, wer ...

Liebe Sandra, ich hoffe, Dein Schwobabua weiß das bereits und erfährt seine Pflicht nun nicht erst diese Woche im »Wortschätzle« aus der StadtZeitung. Bräuche machen Spaß und Freude, können aber auch lang anhaltende Folgen haben. Viel Glück Euch beiden.

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