Wortschätzle 17 - Stepfele nauf ond Stepfele na

(Foto: ©rimdream / 123rf.de)
Stefan Gruber

Vergangene Woche haben sich viele Augschburger zusammen getan für einen guten Zweck: Sie sind immer wieder die »Stiag«, »Stuig«, Stiege, Treppe neben dem Augsburger Rathaus »nauf ond na glaufa«, hinauf und runter gelaufen. Für jedes »Stepfele«, (Stufe) gab's Geld. Und eben weil's Geld gab und der Schwabe damit ja sehr eigen im Umgang sein soll, haben die Teilnehmer es wohl getan, bis »d'Fiaß«, die Füße weh getan haben.

Ja der schwäbische Fuß, »Fuaß« - das ist anatomisch etwas ganz besonderes. Die Fußlänge und somit Schuhgröße unterscheidet sich prinzipiell nicht von der anderer Völker. Aber: Der schwäbische Fuß geht von der Sohle bis hoch zur Hüfte. Der echte Schwabe hat keine Beine nicht - und ist trotzdem ein ganzer Mensch und genauso groß wie Menschen mit anderem Dialekt. Ich hab's als echter Schwob ohne »Beine« auch auf 1,70 Meter gebracht.

Leitet also ein Nichtschwabe einen Gymnastikkurs und fordert, dass die stehenden Damen die Füße anheben und bewegen, so werden sie sich schnell auf den Rücken legen und die schwäbischen »Fiaß« hochstrecken und zappeln, wie Maikäfer, die auf dem Rücken liegen - und der Trainer wollte doch etwas ganz anderes.

Aber »fuaßla«, also neckisch mit den eigenen Füßen unterm Tisch an denen anderer rumspielen, kann der Schwabe auch. Anatomisch gesehen kann's gut möglich sein, dass der Schwob beim Orthopäden sagt: »Mr duad dr Fuaß weh« und greift sich ans »Knui«, ans Knie. Somit ist Vorsicht geboten bei einem Nichtschwaben als Knochendoktor, der röntgt sonst wirklich nur den anatomischen Fuß.

Die Schrittlänge wird von den fehlenden schwäbischen Beinen auch nicht beeinflusst. Mit kleinstmöglichen Schritten haben wir als Kinder viele Entscheidungen mit »Hennadabberla« ausgefochten. Zwei stehen sich in ein paar Meter Abstand gegenüber und setzen abwechselnd einen Schritt direkt vor den anderen aufeinander zu. Wer den letzten Schritt macht und dabei auf den »Fuaß vom andera drabbd«, auf den Fuß des anderen tritt, hat gewonnen - ist zwischen zwei Schwaben doch viel direkter als der Auszählreim »Ene mene dupladene, dupladene dalia, aggra maggra zensia, pia pia puff«!

Und klar: Nächste Woche bin ich wieder dran mit einem schwäbischen »Wortschätzle«, auch ohne Hennadabberla.

Alle weiteren Wortschätzle finden Sie hier.
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