Wortschätzle 18 - Herrgottsbscheißerla und Schnattra

(Foto: ©cogipix / 123rf.de)
Stefan Gruber

Dr Schwob is a Schlitzohr, auch »dr reachtgleibige«, der wirklich gläubige, katholische Schwob, der ja am Freitag kein Fleisch isst, als Erinnerung an das Leiden Christi am Karfreitag. Und als Schlitzohr weiß er auch, wie man »bscheißt«, ganz hart ausgedrückt betrügt, eigentlich meint der Schwob damit eh nur schummeln. Aber das kann der Schwob nicht nur beim Karteln sondern auch dem Herrgott gegenüber.

Er hat nämlich die »Herrgottsbscheißerla« erfunden und gleich zu einem der beiden schwäbischen Nationalgerichte erhoben: die Maultaschen!Das andere sind natürlich die Kässpatzen.

»Herrgottsbscheißerla« heißt man die Maultaschen auch, weil man in die Füllung Fleisch in Form von Brät und Hackfleisch einarbeiten kann, bissle was Grünes noch hinein und es sieht ganz vegetarisch aus. Und mit dem Nudelteig außen herum sieht's derHerrgott ja eh nicht.

A »Bscheißerle« kann aber auch ein Teil der Kleidung sein. Früher, als das Waschen mit der Hand, das Auskochen der weißen Wäsche noch eine »Heidaarbet«, eine sehr mühsame Angelegenheit, war, hatte man für Hemden und Blusen kleine Krägen zum Anknöpfen. Dann blieb der Dreck vom Hals am Bscheißerle und man musste nicht immer gleich das ganze Hemd waschen, sondern nur den dreckigen, den speckigen Kragen.

Zurück zu den Maultaschen. Ich kenne sie aus meiner Familie auch ohne Fleisch. Meine Großmutter selig machte sie immer gefüllt mit »Schnattra«, teils auch »Gschneddre« genannt, (Zwiebelröhrle) das Grün der »Welschen Zwiebel« oder auch »Winterheckenzwiebel« (lateinisch: Alium fistulosum), und angerösteten Weißbrotwürfeln. Diese Füllung war dann zwischen zwei aufeinander gedrückten dreieckigen Nudelteigplatten und diente bei uns nur als Suppeneinlage - und »wia sich's guad katholisch gherd«, wie es sich gut katholisch gehört, freitags sicher nicht in einer »Fleischbria«, Fleischbrühe. »Mei war des guad!«

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