Wortschätzle 19 - Der schwäbische Grundwortschatz

(Foto: Stefan Gruber)
Stefan Gruber

Mit dem Wörtchen »gell« ist es nicht ganz einfach, aber es ist immens wichtig. »Gell« mit leicht aggressiv-provokantem Ton kann schon fast einer Anmache gleich kommen. In Verbindung mit einer Aussage wie »Gell, des hosch guad gmacht« will der Schwob nur nochmals eine positive Verstärkung des anschließenden Satzes erreichen. Sagt er das »gell« danach, dann will er vom Gegenüber eine Bestätigung einfordern, oder er gibt sich damit gleich selber Recht, denn der Schwob spart ja mit Lob nach dem Motto: »Ned gschimpft, isch globt gnua!« (Nicht geschimpft, ist genug gelobt).

Mit dem Wörtchen »fei«, das wohl von »freilich« kommt, bestärken wir in unserem Dialekt Aussagen. Meist könnte man es mit tatsächlich und wirklich ersetzen, in der Weise »des hosch fei guad gmacht«. Wir können auch kombinieren: »Gell, des hosch fei guad gmacht!«

»Hoi« - das sagen wir, wenn wir Erstaunen ausdrücken wollen über etwas. »Hoi, giabts heit an Eurhaber?«

Aber beim »Eurhaber«, dem einfachen schwäbischen Pendant zum österreichischen Kaiserschmarrn und ohne aufgeschlagenem Eiweiß im Pfannkuchenteig, ist das »hoi« eher Heuchelei. Denn: Meist, wenn die Geduld fehlt und man den Teig in die noch nicht richtig heiße Pfanne gibt, »babbt«, klebt der Teig an und man bekommt den Pfannkuchen nicht mehr ganz aus der Pfanne. Dann macht man aus der Panne was Gutes, zerreißt ihn, macht »Fleckla«, und isst ihn gleich mit Zimt und Zucker. »A Eu« ist ein Ei, »zweu Eur« sind zwei. Jetzt bekomme ich »fei« Hunger, ich mach mir nun absichtlich an »Eurhaber«, gell!

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