Wortschätzle 24 - "A scheane Leich" und "Leichafingr"

(Foto: ©kabvisio / 123rf.de)
Stefan Gruber

Erfährt der Schwabe von einer Beisetzung, fragt er als erstes: »Wars a scheane Leich?« War es eine schöne Leiche? Damit will er allerdings nicht wissen, wie die Leichenfrau gearbeitet hatte und wie die Leiche aussah. Nein, er fragt damit nach, wie die Beerdigung, die Zeremonie, die Gäste waren.

Und was will er dann hören? »d'Bredigt war kurz, vill Leit warn's, d Bluma warn sche, vill bleared hans unds Essa war vill und guad« - die Predigt war kurz, viele Menschen waren da, die Blumen waren schön, viel geweint wurde und das Essen war viel und gut. Entgegen der Staudenregion spricht natürlich der originäre Augsburger in seinem Dialekt von »dr scheena Leich, dass »vill blärrd ham«.

Der Leichenschmaus, das »Bsengnis«, hat je nach Region natürlich auch eine schwäbische Besonderheit. Nicht hier in der Region sondern weiter westlich und somit auch schwäbisch, war ich auf einer Beerdigung.Und da staunte ich, als mich der Sohn des Verstorbenen noch aufm »Gottsacker«, dem Friedhof, fragte: »Kommsch doch no mit ind Wiitschaft? Des hätt dr Vaddr gern gsea. S gibt Laichafingr.« »Du kommst doch noch mit in die Wirtschaft? Das hätte der Vater gerne gesehen. Es gibt Leichenfinger.«

Was gab's wirklich zum Essen? Gebratene Gschwollne (Kalbsbratwurst) mit Bratensauce und Kartoffelsalat. Der Begriff der Leichenfinger ist in der Region um Augsburg nicht ganz unbekannt, aber vor allem westlich Richtung Ulm und ins Allgäu hinein wird dieses traditionelle Essen gepflegt. Wo isst man sie in der Augsburger Gegend beim »Bsengnis« und wer erinnert sich noch daran? Ich bin gespannt!

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