Wortschätzle 26 - Wias Kätzle am Bauch

(Foto: ©cherrymerry / 123rf.de)
Stefan Gruber

Ein paar aus dem bayrischen Affing, ein Westfale und ich, der Schowb, saßen am Samstag zusammen im Biergarten. Da prallten Dialekte aufeinander! Irgendwann erzählte ich von den zwei kleinen Kätzchen, die nun bei Freunden von mir ihre neue Heimat gefunden haben. A Kätzle und »a Baule«, ein Kater. Und die zwei sind wirklich nett, neugierig und aufgeweckt, aber solche »Haunzerla«, also ganz schlanke, dünne und kleine Tierchen - sehen fast etwas unterernährt aus. Aber die werden, dort wo sie jetzt sind, schon richtig aufgepäppelt, da habe ich keine Sorge. »Haunzerle« hört man auch Schwaben sagen, wenn es um ein ganz zartes, kleines Menschenbaby geht.

Bei dem Wort »Haunzerla« merkte ich schon, das benutzen die Bayern nicht und sie fragten, ob das »Verreckerla« seien, somit eigentlich dem »Tod geweihte« Kätzchen - ein Wort, das die Schwaben und anscheinend auch ein Teil der Bayern ähnlich benutzen. Nein, das sind die Kätzchen nicht, sie sind nur sehr schmal. Da meldete sich der Westfale und meinte, zu diesen »Haunzerla« sage man in seiner Heimat »Unnernüffelken« - Dialektwörter sind doch immer ein ergiebiges Thema, besonders wenn drei verschiedene Dialekte an einem Biertisch aufeinander treffen - irgendwie versteht man sich aber doch.

Und wenn wir schon bei Kätzchen sind: Will der Schwob jemanden beschreiben, der gerade fürchterlich blass im Gesicht ist, dann sagt ganz wohlgemeint und liebevoll: »Der schaut aus wias Kätzle am Bauch«, denn viele Katzenbabys haben eine helle, ganz blasse Haut am Bauch - manche sagen auch: »Wias Kätzle am Fidla«, am Hintern.

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