Wortschätzle 27 - Das Dodle hat da Zapfa griffbereit

(Foto: ©pressmaster / 123rf.de)
Stefan Gruber

Eine Taufe ist doch »allaweil«, immer, ein schönes Ereignis - zumindest in den meisten Fällen - und eine gute Gelegenheit, die Verwandtschaft wieder zu treffen. Gleich vorweg: Das Wetter war gut, das Essen reichlich - eine gute Voraussetzung, dass ein Schwabe das Fest gut findet. Obwohl, der schwäbische Zwiebelrostbraten war a bissle zäh, die Zwiebel frittiert und der Käs in den Kässpatzen g'schmacklos.

Und wie es sich gehört, hat's »Buzzele«, das Baby, bei der Taufe »blearad«, geweint, als ihm der Pfarrer das Weihwasser über den Kopf goss - wird halt kalt gewesen sein. Aber das »Dodle«, der Taufpate, hat den Säugling gleich beruhigen können, denn er hatte den »Zapfa«, den Schnuller, parat und dann war gleich alles wieder gut. Der schwäbische Begriff »Dodle«, Pate, steht in manchen Gegenden für beiderlei Geschlecht. Manchmal wird aber auch das Wort »Dodi« für die Patin benutzt.

Und immer am 1. November, an Allerseelen, ist das schwäbische Dodle dran, eine seiner Patenpflichten zu erfüllen: Er hat seinem Patenkind eine »Seelabrezg«, eine Allerseelen-Breze, zu schenken. So um 1600 waren es eher Hefebrote oder Zöpfe, die die Seele verkörperten und zum Totengedenken auf die Gräber gelegt und später den Armen zum Verzehr gereicht wurden.

Leider sind die »Seelabrezga« in unserem schwäbischen Brauchtum seit vielen Jahren total »verhunagld«, also missgestaltet, denn sie werden von den Konditoren mit allerlei Zierrat versehen und haben mit den ursprünglichen, einfachen Brezen aus Hefeteig so gar nichts mehr zu tun. Aber bei dem getauften Buzzele dauert's noch bis zur ersten Seelabrezg - dem ist vorerst a Fläschle und a Breile lieber.

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