Wortschätzle 32 - Ned Schwäbisch und groddafalsch

(Foto: © arinahabich / 123rf.de)
Stefan Gruber

Nun erstmal herzlichen Dank an all unsere vielen Leser, die auf die »Wortschätzle« hin anrufen, die sich an Wörter aus ihrer Kindheit erinnern, an Wörter ihrer Großeltern oder auch von Begriffen erzählen, die vereinzelt noch immer in unserer Region in Gebrauch sind.

Oftmals genannt wurde »Fisimatenten«. Wie viele Begriffe aus dem Französischen ist auch Fisimatenten nicht nur in unserer Region gebräuchlich für unnützes, unsinniges Handeln. »Mach keine Fisimatenten« hat allerdings eben nur mit dieser Auslegung zu tun und nicht mit der »groddafalscha«, also total verkehrten, Herleitung vom französischen »Visitez ma tente« für »Besuchen Sie mein Zelt«. Damit sollen französische Soldaten und die auf Schwäbisch bezeichneten, adretten »Schwoleschees«, die Chevaliers, die Berittenen, Anfang des 19. Jahrhunderts Mädchen zum Stelldichein in ihr Zelt gelockt haben, wo sie »liadrige Lumpa«, liederlichen Kerlen, anheim fielen.

Wortherkunftskundler, Ethymologen, leiten den Begriff Fisimatenten allerdings wo anders her. Der lateinische Begriff »visae patentes« steht seit dem 16. Jahrhundert für ein unnötig schwer auszustellendes Dokument - eine wohl oft als unsinnig und kompliziert angesehene Arbeit. Also wie würde der Schwabe sagen? Auf alle Fälle »nix Gscheits ned« - nichts Rechtes. Wenn Mädchen ausgingen, war der Rat »Mach keine Fisimatenten« somit nie die Aufforderung sittsam zu bleiben, sondern lediglich, keinen Unsinn oder Blödsinn zu machen - was nun dazu zählt, ist Auslegungssache.

Alle weiteren Wortschätzle finden Sie hier.
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