Wortschätzle 37 - Wo gibt’s no Krapfa mit Hägamark?

(Foto: 123rf/ Miroslava Markova)
Jetzt ist November – Zeit der Gestecke, Grablichter und Seelabrezga.

Stefan Gruber

Allerheiligen – zu ging’s auf den Friedhöfen, wie damals beim Schlussverkauf. Parkplätze waren Mangelware, die Floristen verkauften die letzten Gestecke und auf allen Gräbern brannten Lichter, schaurig-schön im Dunklen. Aber die Kinder konnten durch die Laubhaufen springen und noch die letzten „Kaschdamobbla“, Kastanien, finden, um am Nachmittag mit Zündhölzern „Männla“, in diesem Falle Figuren, zu basteln. Neben den bunten Blättern gehören zur Zeit nur noch die roten „Häga“ zu den Farbtupfern in der Natur.

Häga, das sind die Hagebutten, aus denen man wunderbare Marmelade machen kann, das „Hägamark“. Der Aufwand für selbstgemachtes Hägamark ist immens. Früher wurden damit Krapfen gefüllt, heute wird es durch irgendwelche Konfitüren ersetzt oder durch Cremes, mit denen zig Ausführungen dieses eigentlichen Faschingsgebäcks entstehen, Cappuccino, Eierlikör, Schokolade und Liebeskrapfen – aber nicht mehr die simplen „Krapfa“ mit Hägamark drin und Zucker drauf. Vielleicht finde ich mal wieder einen Konditor, der sie macht, wie ich sie aus meiner Kindheit kenne.

Hat auch jeder von seinem „Dodle“, Taufpate, a „Seelabrezg“, Seelenbreze, bekommen? Tja, auch der Brauch stirbt aus, da hod ma liabr des neimodische Halloween gfeired, als an Hefadoig gmachd und backa.

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