Wortschätzle 39 - „No ned hudla“, sagt der Schwabe

(Foto: Christian Müller)
Wenn am Sonntag nur „Drialr“ und „Loimsiadr“ unterwegs sind.

Stefan Gruber

Manchmal kann’s dem Schwob nicht schnell genug gehen, mir zum Beispiel auf der Autobahn, wenn ich auf einen Termin muss und eh schon spät dran bin. Und wenn dann so Sonntagsfahrer – früher war das Kennzeichen ja die umhäkelte Klopapierrolle und der Wackeldackel auf der hinteren Ablage – ihr „Heiligsblechle“, ihr Auto, nur noch auf der mittleren oder linken Spur steuern, dann kann schon „a reachdr Zora“, ein richtiger Zorn, aufkommen. Nichtsdestotrotz, es hilft nichts, es geht nie wirklich schneller. Also besser wieder beruhigen und vor allem auf der Landstraße nach dem erzschwäbischen Motto „no ned hudla“, nur nicht hetzen, hinter so einem „Drialr“, Trüler (gemeint ist da ein besonders langsamer Mensch), hinterherfahren. Der Begriff der alten „Huddl“, ein Schimpfwort für Frauen, hat damit nun gar nichts zu tun. Trotzdem gehen dem gemütlichsten und gelassensten Schwaben so langsame „Loimsiadr ond Seufasiadr“, Berufsbezeichnungen für Leimkocher und Seifensieder, was beides extrem langwierige Angelegenheiten sind, irgendwann auf die Nerven. Da wird der überwiegend katholische Schwob schon mal blasphemisch und es entfleucht ihm, auch am heiligen Sonntag, ein „Herrgottsagramend nomoal“ – was mir sonst noch so an unheiligen Schimpfwörtern, auch wenn sie schwäbisch sind, einfiel, ist wirklich nicht mehr angebracht, hier zu schreiben.

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