Wortschätzle 40 - "Magadrezzerla" können auch satt machen

(Foto: Gudrun Muenz)
„Da Ranza voll kriaga“ kann mehrere Bedeutungen haben.

Stefan Gruber

Zugegeben, es ist noch nicht frostig untertags, aber wenn man draußen ist, fühlt es sich bei dem Schneeregen und Wind schon recht zapfig kalt an. Wenn man schon a bissle „lädsched“ und „drleubld“, erledigt, müde oder schlapp, ist und heim kommt, dann ist’s besonders schön, wenn die Heizung läuft und es pudelwarm in der Bude ist. Wenn dann das Abendessen schon fertig wäre … aber nein, in meiner Wohnung war’s kalt und kein fertiges, warmes Essen stand auf dem Tisch. Aber im Kühlschrank hatte ich noch ein paar „Reschdla“, Reste, von den Vortagen – bissle Röstkartoffeln, Kräuterquark und und und. Mit ein paar solcher „Magadrezzerla“, tja wie soll man zu diesen kleinen feinen Sachen sagen, die von der Menge her so klein sind, dass sie nur Lust auf mehr machen? Sie foppen eben nur den Magen, am ehesten sind’s wohl Häppchen oder auch ganz vornehm auf Französisch „Amuse gueule“ – Gaumenfreuden. Doch wenn’s genug Magadrezzerla sind und noch „a weng“, ein wenig, Rotwein in der Flasche vom Abend zuvor da ist, also nur „a Noigele“, ein kleiner Rest, dann ist der Schwob auch am Sonntagabend zufrieden und kann sich da Ranza vollhauen, sich satt essen.
Das steht im Gegensatz zu „da Ranza voll kriaga“ für eine Portion Prügel einstecken, aber in der provokanten Frage „Hasch da Ranza ned voll kriagt?“ für allgemeine Gier und Essgier oder auch „Prügel bezogen haben“ stehen kann.
Ich hab mir noch ne Kanne Tee gemacht, mich in die Wolldecke eingemummelt, Tatort geschaut und dann Wortschätzle geschrieben.

Alle weiteren Wortschätzle finden Sie hier.
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