Wortschätzle 43 - Ranzapfeifa vom alten Lebkuchen

Es gibt „koine schwäbische Lebkuachaherzla net“.

Stefan Gruber

Zwei Mal war ich dieses Wochenende auf einem Chistkindlesmarkt – landläufig eh „Glühmarkt“, denn Glühwein wird dort am meisten verkauft. Aber egal, es gibt so viel Zeug dort, das der sparsame Schwob sicher nicht kauft. Wer hängt an seinen Baum schon eine Essiggurke aus Glas anstatt einer Christbaumkugel? Aber die „Reibrdatschi“, Kartoffelpuffer mit Apfelmus, waren am Sonntag eine gute Alternative zur „Bradwurschd“. Wer mit seinem „Gschbusi“, also am „gschlampeda“ Verhältnis, einem schlampigen Verhältnis und somit einer eher weniger legalen, ehrbaren Verbindung, oder dem Schätzle sich durch die Gassen drängt, kann an den Süßwarenständen kalorienreich seiner Liebe Ausdruck verleihen. „Mein Schatz“, „Ich liebe Dich“ und solche Sätze stehen mit Zuckerguss auf den Lebkuchenherzen geschrieben, aber nie steht was wirklich Schwäbisches drauf – leider. „Du bisch mei Spätzle“, oder „Am liabschda han i Di“, solche süßen Herzen habe ich nicht gesehen. „Was dät ma au damit macha?“ „Erschd amoal aufheba“, erstmal aufheben, „ja bloß it wegschmeißa“ – und sie dann nach Monaten ausgetrocknet vielleicht doch essen. Dann wird’s von den eingestaubten Dingern wohl eh nur „Ranzapfeifa“, Bauchschmerzen, geben, die man dann allenfalls mit übel flatternden Schmetterlingen im Bauch verwechseln kann. Lebkuacha san hald nix firn Sommer!

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