Wortschätzle 44 - Weihnachten - 's Buzzele isch da!

D’Mare und dr Seppi sin mid m Rollr ind Stauda naus gfahra, um sich in a Lischde einzdraga. (Foto: Peter Berens)
A glois schwäbischs Weihnachdswundr aus de hendre Stauda.

Stefan Gruber

In dr oina Hand da Gredda midm Gmias und in dr andra a volle Blaschdiggschdaddl isch d’Maria hoimkomma vom Margd, als ra a großer, barfuaßigr Ma in am weißa Nachdhemad dr Weag zum oagneam grea agschdrichna Gardadierle versperrt hod. Es war a Samsdig Ende März, abr scho a Weile her.
„Mare, mr missad schwätza“, said er und god ra ned usm Weag.
„Na“, hod se gsait, „i han koi Zeit it, sisch Samsdig und i muass no wascha, biegla, dr Hof fega und’s Drottwar kehra – hald d’Hausordnung macha, wia’s sich fr an guada Schwob gherd. Dr Kuacha fr morga is au no it backa. Sonscht befzged dr Seppi da ganze Sundig lang rum.
„Egal“, said dr Ma mid de zwoi Fliegel am Buckel – es isch wohl a schwäbischr Engl.
Maria hod se breudschlaga lossa ond glei san dia zwoi auf de Stepfela vorm Heisle ghoggad.
„Was isch los?“, frogd d’Mare dr Engl.
„Du wirsch a Kendle kriaga“, meunt er.
„Irgendwann scho, aber jetzt it“, said se.
„Von wegen. Im Dezember ischd es so weit“, erklärt der Engel hochoffiziell in vermeintlichem Hochdeutsch.
„He, Engl, schwätz koin Bebb it. I bin a ordendlichs, a bravs Mädle. I bin verlobd mid meim Seppi und hab no nia ebbes mit ma Ma ghed und so solls au bleiba. Midm Seppi god eh nix, der isch immer so miad, wennr vom Schaffa und dr viela Arbet hoim kommd. I bleib Jungfrau, bis i heired. Wia soll des no gau?
„Dir macht’s Kendle dr Heilige Goischd, der wird dr Vaddr, da mergsch nix!“, beruhigt se dr Engl.
„Oh je, was wird da mei Seppi saga, des glaubd mr der doch nia“, ischs Lamendo vo dr Maria.
„Gib a Rua, Mare, ond sei schdad! Mei Chef, dr Herrgott, hod di rausgsuachd und so bleibd’s. Du sollschd Muadr vom Erleser wera. Und des mit dr Schwangerschafd, des erklär i dem Seppi scho so lang, bis er’s globd. Und jetzt hersch auf zom Bruddla“, said dr Engl und weg war er.
’S war woar, sie hod nix gmergd und in de negschde Monat isch es Beichle gwagsa, kugelrund isch se wora und dr Seppi hod sich ganz liab um sei Maria kümmred und dia Gschichd midm Heiliga Goischd hod er au glaubd.
Jezd war da so a oberer Finanzbeamdr in der bayrischa Landesregierung, der hod Probleme mit dr Schdeir ghed und koin Iberblick mea ibr seine Schdeirzahlr oder oifach da Ruach. Er wolld nu partu wissa, wia er seine Leit no a weng rupfa kennd und hod raus gea, dass jedr Ma mit seim Wei in da Ord geha muass, in dem er ufd Weld komma isch, um sich in a Lischde eizdraga. Dr Seppi hod also von Augschburg in so an gloina Weiler irgendwo in de hendra Stauda naus missa. Lang hods dr Seppi gschoba da naus zfahra, abr jetzt hods dem Drialr bressiert.
Hindrm Haisle hod dr Seppi no an Schupfa ghed und drin isch no a alde verroschdede Vespa gschdanda. Audo hodr sich it leischda kenna, dr arm Ma, ’s Gschäft als Zimmerer isch schlecht glaufa in ledschdr Zeit. Ihm isch nix andrs ibrig blieba, als mit dr hochschwangra Maria hinda drauf loszfahra und z’hoffa, dass es des Fahrzeig bis do naus schaffd.
Weil nadirlich do draussa kaum a Übernachdungsmeglichkeit war und dia baar Zimmer vergebe wared oder koinr dia Hochschwangre hod haba wolla, ham se koi Dach ibrm Kopf ghed fr dia biddrkalde Nachd. D’Maria hod langsam de Kraga voll ghed von dr Suacherei. Miad war se, gfrora hod’s es und a weng ead war se au. Da hod se ihren Seppi agmauled: „Mir duads Kreiz wea und i megad mi hilega, Ma, mach endlich was!“ „Maria, i weuss du bisch miad und ead, hab biddsche no a weng Drweil, mr findet scho no was“, hod dr Seppi geduldig gsait ond nach am Bänkle zum Ausruha gluagad.
Da hod dr Seppi an schebsa Schupfa gsea, bissle weg von dr Schdroß am Waldrand. Wenigschdens Hei war drin und a baar Babbadeggl zum drauf Schlofa und Zuadecka - und a Ox und a Esel. Kalt wars, koi Holz und koine Boaza zum Fuir macha hods ghed.
Und grad in dera Nachd ischs bassiert: Bei dr Maria wars so weit, s Kindle wold komma.

’S nägschd Grangahaus waid weg, mit dr Vespa koi Chance se zum hibringa, s Handy leer, koi Daxi zom Erreicha und nadirlich koi Hebamm da. Dr Seppi hod zwar Bluad ond Wassr gschwizd, hod abr seim Wei reachd ziddrig beigschdanda, so wias eam hald meglich war, und Maria hods auch ohne dia Bäridonalanäschdesie gschaffd. Midda in dr Nachd wars Buzzele da – gloi, sias und grschia hods – all’s isch guad ganga.
Dr Ox und dr Esel ham ganz sche bleed guggad, als se deane d’Fuddrkripp weg gnomma hend, um da Bua neizlega.
Nix ghed han dia drei, arme Leit, aber glicklich warns. Jetzt warns a Familie. Es war dia wundervolle Nachd vom 24. Dezember, wos Buzzele auf d’Weld komma isch – dr Erleser.
Am nägschda Morga dann san a baar Baura aus de Stauda vorbei komma und wolldns Kendle sea. Angeblich wollns a Erscheinung ghed han – Engl sollns eane gsaid haba, dass dr Heiland aufd Weld komma sei. A mords Freid hams ghed ibr dr Erleser.

Und wer diese schwäbische Geschichte nun nicht verstanden hat, der kann sie nachlesen in der Bibel in „Mariä Verkündigung“ im Lukas-Evangelium (LK 1,26-38 EU) und der „Weihnachtsgeschichte“ im Lukas-Evangelium 2/1-20, denn vor gut 2000 Jahren ist ähnliches vorgefallen.

Alle weiteren Wortschätzle finden Sie hier.
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Martha Plaseller aus Augsburg - City | 26.12.2015 | 13:41  
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