Wortschätzle 45 - Schdupfige Chrischtbaumnodla ond Bändla biegla

Früher hat man das teure Geschenkpapier gebügelt und wieder verwendet.

Stefan Gruber

Die Weihnachtsfeiertage sind wieder rum und an Karl Valentins Äußerung „Nach der staaden Zeit wird’s wieder ruhiger“ ist schon was dran: Keine Dränglerei mehr auf dem Christkindlesmarkt, keine Hektik mehr beim Christbaum- und Geschenkekauf und die Entscheidung, ob’s Bratwurst mit Sauerkraut oder Kartoffelsalat am Heiligabend gibt, ist erst wieder in einem Jahr fällig. Jetzt muss man vor allem wieder die Pfunde abnehmen, „dia an da Ranza“, die an den Bauch, „angfudrad“, hingegessen oder eher gefressen wurden. Nun muss nur noch der vertrocknende Christbaum den täglichen „Zora“, den Zorn, der Hausfrau beim „schdupfige Nodla“, piksende Nadeln aufsammeln bis wenigstens Dreikönig oder gar Lichtmess überleben und dann wird das ganze „Weihnachdszuig“ oder auch „Sach“ wieder ordentlich weg geräumt. Früher wurde auch das silbrige oder goldene Lametta wieder gebügelt und feinsäuberlich für den nächsten Christbaum verpackt. Damals war die „Großmuadr“, die Großmutter auch gleich nach Weihnachten beschäftigt mit „Schloifla ond Bändela gladd biegla“, Schleifen und Bänder glatt bügeln, die schönen Geschenkpapiere natürlich auch, um sie im nächsten Jahr wieder zu verwenden – denn auch das war dem Schwob teuer. Heutzutage wirft man ja alles weg. Und ich höre jetzt schon so manchen sagen: „I ka koine Lebkucha, Loibla ond Stolla me sea!“ „Ich kann keine Lebkuchen, Plätzchen und Stollen mehr sehen!“ Nix da, reißt’s eich zam, gessa weard’s! Bei ons Schwoba lossd ma nix vrkomma!

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