Wortschätzle 46 - Bloß koi Wäsch aufhänga

Die geheimnisvollen Rauhnächte sagen die Zukunft vorher.

Stefan Gruber

Der Schwob ist überwiegend gläubig und meist katholisch. In den entsprechenden Kirchen wurde an den Weihnachtsfeiertagen in den Gottesdiensten viel Weihrauch in den Weihrauchfässern, verheizt. Und die Tage nach Weihnachten sind nicht nur Tage des Umtausches und des Gutschein-Einlösens, sondern ganz besondere Tage und Nächte.
Die zwölf Nächte ab dem 25. Dezember sind die Rauhnächte und enden am 6. Januar, an „Heilig Drei König“. Im Sinne des Brauchtums und Aberglaubens repräsentieren diese Tage die zwölf Monate des kommenden Jahres und was man da an Visionen hat oder nachts träumt, soll sich in den entsprechenden Monaten ereignen – das ist eine der möglichen Auslegungen. Hoffentlich „habds es koine Albdreim ghed!“ Hoffentlich hattet ihr keine Alpträume! Und noch heute gilt in vielen Familien, keine Wäsche über die Silvesternacht hängen zu lassen, sonst stirbt jemand in diesem Haus im folgenden Jahr. „Da brauchsch koi Lallabebbe, koi Lädschabebbe sei, wennd an so was glaubsch.“ Da brauchst du kein Feigling, kein Schwächling sein, wenn an so etwas glaubst. Bei uns im Haus hing keine Wäsche aufm „Boda“, dem Dachboden, da wird schon drauf geachtet. Vor ein paar Jahren wurde ich von einer alten Dame im Haus aufgefordert, meine Wäsche abzuhängen. „’S isch also älles guad!“
Früher hatte man in dieser Zeit auch die Häuser und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert, um böse Dämonen auszutreiben. Eine geheimnisvolle Zeit mit regional sehr unterschiedlichen Bräuchen – auch in Schwaben.

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