Wortschätzle 49 - Rotzglogg und Sackduach

(Foto: 123rf/Vera Kuttelvaserova Stuchelova)
Kaum ist es kälter, ist beim Schwob auch Krankheitszeit.

Stefan Gruber

Kaum ist das Wetter mal bisschen kälter, fängt der Schwob an zu jammern, wenn ihm die Nase läuft, er erkältet ist. Wenn ihm der Rotz aus der Nase rinnt, wenn ihm der „Riasl“ läuft und er a „Rotzbäbbn“ hat. Bei kleinen Kindern kommen dann immer die Oma, Tante oder Mama mit einem „Sackduach“, einem Taschentuch aus dem Hosensack, der Tasche, und wischen die „Rotzglogg“ ab, also alles, was da so aus der Nase läuft und drunter hängt. Aber eigentlich ist das alles nicht so schlimm, so lange der Schwob „schuddla“ kann, also „wergla“, arbeiten. Schuddla ist zu verstehen für irgendwas arbeiten, verräumen und Unordnung beseitigen – hat also doch weitgehend etwas mit Schutt zu tun, denn wegschmeißen duad dr Schwob so leicht nix, kennd ja no was wert sei. Aber manchmal brummt ihm so „dr Grend“, „dr Schedl“, tut ihm somit der Kopf so weh, dass nix mehr geht, fast so, wie wenn „ers Reißn“, er das Reißen im Kreuz hat – Hexenschuss. Dann kann schon sein, dass er vom Schuddla „buggled“, gebeugt läuft und ganz „hadschig drher“ kommt, also schlecht zu Fuß ist. Aber das ist nichts gegen die Krankheiten, mit denen unsere Mitbürger von der Schwäbischen Alb verglichen werden. Denn auf die Frage nach den drei schwersten Geißeln der Menschheit gilt für viele: „Lepra, Cholera und von dr Alb ra!“, aber das ist ja nicht wirklich so! Also i bin grad blos a bissle hadschig, mir duad dr Fuaß weh.

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Hermann Oehmig aus Gersthofen | 09.03.2016 | 13:17  
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