Wortschätzle 55 - Woisch, dädsch und hosch

Der Schwob kann viel „dua“ – ein fast existenzielles Wort.

Stefan Gruber

Der Mieter aus der Wohnung über mir hat beim Raustragen der Mülltüte das ganze Treppenhaus „vrdriald ond vrdreggled“ vertropft und verdreckt – ich hab’s gesehen. Als er wieder ins Haus rein kam, habe ich ihm das gesagt. Da flippte der aus, beschimpfte mich als „an Luggabeidl“. Nein, ein Lügner bin ich sicher nicht. Fazit: „Er hod spädr doch no d’Stiag nabudzd“, er hat später doch noch die Treppe hinuntergeputzt.
„I däd mi ja d’Sinda firchda“, ich würde mich ja der Sünden fürchten, wenn ich Falsches behaupten würde! Das Wörtchen „däd“ kommt ja von tun, meint „täte“ und da hat der Schwabe für die Möglichkeitsform und das Wort „würde“ eine eigene Lösung gefunden. Und „tun“ benutzt der Schwob ja oft. So auch in „dädsch mr“, eigentlich „tätest mir“ für „würdest mir tun“ zum Beispiel einen Gefallen – wobei „wirdsch“ für „würdest Du“ trotzdem existiert aber weniger in Gebrauch ist.
Es ist schon eine besondere Form der Grammatik, die den Schwaben und dessen Dialekt charakterisiert und für das „sch“ am Ende von Verben, Tunwörtern, in unserem Sprachgebrauch verantwortlich ist und für die Anrede einer vertrauten Person, für das Du gilt.
Und das weit verbreitete „woisch, dädsch, hosch“ für weißt Du, tätest Du (würdest Du tun), hast Du, macht den Dialekt der Augsburger Region schon sehr sympatisch – moinsch ned?

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