Wortschätzle 64 - I hab vom Heiliga Goischd nix gmergd

(Foto: 123rf/ifong)
Nur graue Tauben und fremde Sprachen habe ich nicht verstanden.

„I hab an Pfingschda nix drvo gmergd, dass dr Heilige Goischd ibr mi komma isch.“ Ich habe nichts davon gemerkt, dass der heilige Geist über mich gekommen ist, so wie es in der Bibel steht.
„Als dr Pfingschddag endlich do gwea isch, sin alle beianand gwesa (d’ Aboschdl). Auf oimoal hods vom Himml ra brausd und doa, als wia wenn’s an mords Schdurm im Haus ghabd häd. Zunga sind dene erschiena, dia ham sich wia Feir vrdeuld ibr ihre Kepf, ond sie san ausgfülld wora vom Heiliga Goischd ond sie ham agfanga in alle Schbrocha zum Schwätza, was eane dr Goischd vorgeba hod.“ (Aboschdlgschichd 2,1-4)
Pfingsten, fest der „Ausgießung des Heiligen Geistes“, oinzig was ibr mi ra komma isch, warn a baar Reagadropfa am Wochaend. Vielleicht lag es ja daran, dass ich nicht in der Kirche war. Ich habe keine Menschen verstanden, die andere Sprachen „gschwädzd ham“, gesprochen haben. Aber Englisch, Französisch, Spanisch, Schwäbisch und „ibrd Leit roichd mr“, über die Leute reichen mir. Ach ja, und Hochdeutsch – wenn’s unbedingt sein muss. Keine Feuerzungen sah ich herniederkommen, nur „graue Dauba sin rumgfloga“, nur graue Tauben sind umhergeflogen – „koi oinzige weiße Daub“ war dabei, keine einzige weiße Taube, war dabei, die der „Goischd häd sei kenna, koi Schbur ned“, die der Geist hätte sein können, keine Spur nicht – der Schwob benutzt ja gerne die doppelte Verneinung. Nicht mal am „Daubaschlag“, am Taubenschlag, in Göggingen am Kanal habe ich eine weiße gesehen.
Aber vielleicht war ich „daub, dosoared“, taub, schwerhörig, und habe deshalb keine anderen Sprachen gehört und verstanden. Bin halt vielleicht doch „a weng a wiaschdr“ Schwob, im Sinne von ein wenig unsensibel.

Stefan Gruber

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