Wortschätzle 76 - Die oi duad eikofa, dia andr eikaufa

18755462 - wicker basket with variety of grocery products isolated on white (Foto: monticello/123rf)
Die zwei Frauen vor mir in der langen Schlange an der Kasse in einem Supermarkt im Augsburger Stadtteil Pfersee kannten sich wohl, denn sie waren heftig am Ratschen, viel Privates, und man merkte, beide sind Schwaben, sprachen mit sehr zivilisiertem Dialekt, doch hin und wieder benutzten sie gleiche Worte, die sie unterschiedlich aussprachen. Die Damen kamen aus verschiedenen Sprachbereichen des Schwäbischen. Die eine ging zum „Eikofa“, die andere zum „Eikaufa“, beide also zum Einkaufen.
Wenn man nun für die Lösung in Werner Königs „Kleinem Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben“ nachsieht, dann wird deutlich, dass die Schwäbin mit diesem offenen o im Wort „kofa“ irgendwo aus dem Bereich etwa 20 Kilometer südlich von Augsburg in einem etwa 20 Kilometer breiten Streifen östlich entlang des Lechs Richtung Norden bis über Nördlingen hinaus ihren Dialekt erworben haben muss. Die andere Dame, die „kaufa“ für einkaufen sagt, erwarb ihren Dialekt aber westlich dieses Korridors, das heißt ab der Mitte des Lechfelds etwa bis Landsberg und rüber bis zur Iller und wieder östlich bis gut hinter Dillingen – die Sprachgrenze für diesen Laut in „kaufa“ und „kofa“ liegt etwa mittig zwischen Dillingen und Donauwörth.
Von der einen Frau wusste ich, sie wohnt in Pfersee und sagt wie ich als alter Pferseer „kofa“, die andere fragte ich dann. Sie wuchs in den Stauden auf. Sie „hod blos moal ir Freindin bsuachd“ – und in dem Fall, klingt wieder alles gleich. Kleine aber feine schwäbische Unterschiede, die die Herkunft verraten können.

Stefan Gruber

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Erika Buschdorf aus Neusäß | 10.09.2016 | 00:05  
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