Zauberer Hardy: Sein Zauber wirkt noch immer

Zauberer Hardy hat eine 47-jährige Karriere hinter sich. Der Magie überdrüssig ist er noch lange nicht. Eine Geschichte von Aufstieg und Fall, leuchtenden Kinderaugen und Kaninchen.

"Ich werde solange weitermachen, wie ich das Gefühl habe, nicht aus Mitleid engagiert zu werden." Der Augsburger Zauberer Hardy blickt auf ein bewegtes Zaubererleben zurück und auch noch ein Stück weit nach vorn. Dabei ist er mittlerweile 66 geworden und seit 47 Jahren als hauptberuflicher Zauberer unterwegs. Er hat sich im Lauf der Jahre auf die Show vor Kindern im Alter von vier bis zehn Jahren in Kindergärten und Schulen spezialisiert. Dafür hat er Mitspielprogramme entwickelt, bringt mit neuesten pädagogischen Erkenntnissen den Kindern Verkehrsregeln, Zahnhygiene und andere Themen nahe.

"Zauberei ist etwas, was Kinder immer noch fasziniert, trotz PC und Smartphone", berichtet er von seinen Erfahrungen. Dass er aber auch Erwachsene ins Traumland der Zauberei entführen kann, zeigen zahlreiche Fotos mit Prominenten in seiner Wohnung. Darunter sind auch Franz-Josef-Strauß, Sahra Wagenknecht, Günther Jauch und viele andere Prominente. Er war im Fernsehshows eingeladen, war bei dem berühmten Duo "Siegfried und Roy" in Las Vegas zu Gast. Ein bewegtes Leben mit Höhen und Tiefen. Für sein Lebenswerk wurde er vor kurzem auch durch eine Sonderausstellung in einem Zaubermuseum geehrt.

Eher überraschend ist seine Erzählung, wie er überhaupt zum Zaubern gekommen ist. Beim Besuch spricht er fließend und frei, kaum zu glauben, dass er eigentlich stottert und das in manchen Situationen immer noch tut. Dabei handelt es sich um eine seltene Störung, unter der auch sein Zwillingsbruder litt. Die Schule war deswegen ein Horror, "ich zitterte wenn ich aufgerufen wurde". Im öffentlichen Sprechen während des Zauberns fand er seine persönliche Therapie. Sein Bruder hat seine als Musiker entdeckt.

Hardy schlug er den Weg der Magie ein, besuchte eine Zauberschule in Amsterdam, nahm Schauspielunterricht und ist so jetzt fast 50 Jahre unterwegs. Es "ist nicht immer einfach", meint er, "heute wünsche ich mir manchmal, ich wäre vielleicht doch besser Beamter geworden". Erste Auftritte folgten bald, unter anderem auch in den 60er Jahren auf dem Oktoberfest im berühmten "Zelt beim Schichtl", auch in Altersheimen präsentierte er seine Kunst. Bis er seine Berufung und Begabung in der Arbeit mit Kindern fand.

Dazwischen lagen aber auch harte Jahre, als er mit seinem Lebenstraum, einem festen Zaubertheater in einem kleinen Ort nahe Bad Wörishofen wirtschaftlichen Schiffbruch erlitt. Viele Prominente, auch aus Augsburg, waren dort zu Gast, speziell für einige Benefizaufführungen. Aber zum Schluss bleiben nur viele Schulden und zerstörte Träume.

Durch die Arbeit mit Kindern hat er sich daraus jedoch wieder befreit und spielt heute immer noch mit großem Engagement und Leidenschaft. Spontan hat er sich bereit erklärt, im Herbst eine kostenlose Aufführung für Kinder aus Flüchtlingsfamilien zu geben. Die Vorbereitungen laufen.

Augsburg ist ja ohnehin oft mit mehr oder minder obskuren Vorgängen bundesweit in die Schlagzeilen - Fünffingerlesturm, Dönerverbot und Eisstadion sind sicher noch in Erinnerung. Aber auch Hardy machte Schlagzeilen, als er in die Mühlen der Bürokratie geriet. Das war 2010, als das Veterinäramt der Stadt sich Sorgen um sein Kaninchen machte, das er vor den Kindern aus dem Hut zauberte.

Dem Bescheid der Stadt nach sollte er vor jeder Vorstellung dafür Sorge tragen, dass der kleine Nager nicht durch unnötigen Lärm wie Applaus belastet würde. "Das ist gerade mit Kindern schwierig, ist aber auch generell im Showgeschäft nich vorgesehen." Nach diesem Schildbürgerstreich der Stadtverwaltung war die Stadt in aller Munde und Hardy tingelte von einer Radioshow zum nächsten Fernsehauftritt.

Eine gute Publicity für ihn, nicht so positiv für die Stadt. Als er in anderen Städten, in denen er auftrat, das Kaninchen anmelden wollte, hörte er stets, dass man Wichtigeres zu tun hätte. Fakt ist: Dem Kaninchen in einem Stall mit Käfig im Garten in der in Lechhausen geht es sehr gut. Hardy zahlt nun jedes Jahr fast 200 Euro für die "Tierhaltung" an die Stadt, so wie auch ein großer Zirkus.

Die sind es Wert - allein für die Freude, die Hardy den Kindern bereitet, wenn er sein Kaninchen aus dem Hut zaubert.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.