Zeckenlandkarte für Schwaben: Jede fünfte Zecke ist gefährlich

Eine Zecke hat ihren Kopf in die Haut eines Menschen gebohrt. Die rote Verfärbung zeigt eine Infektion an. Foto: BCA

Sie lauern am Waldrand, im hohen Gras und selbst in gepflegten Hausgärten: Zecken. Ihr Stich kann nicht nur Viren übertragen, die eine Hirnhautentzündung (FSME) auslösen. Gefährlich sind auch die Erreger der Borreliose. Das Borreliose Centrum Augsburg (BCA) hat nun erstmals eine Zeckenlandkarte für Schwaben verfasst, um eine Risikoeinschätzung treffen zu können.

Anstoß zu diesem Vorhaben hatte die Auswertung einer ersten Studie, der sogenannten Golfplatzstudie geliefert. Damals war bei Zecken, die auf Golfplätzen gefunden wurden, ein erstaunlich hoher Anteil an Borreliose-Erregern gefunden worden, die man hier nicht vermutet hätte. Auch trugen überraschend viele Zecken die Erreger in sich. Etwa 35 Prozent der Zecken hätten bei ausreichend langem Kontakt ihr "Opfer" mit den Borrelia-Bakterien infiziert.

Im März startete daher die BCA-Clinic einen Aufruf an die schwäbische Bevölkerung, sie möge an Mensch, Hund und Katze gefundene Zecken einschicken mit möglichst genauen Informationen zur Fundsituation. 340 der Spinnentiere fanden so ihren Weg zum BCA. Ein Rücklauf, mit dem Dr. Christina Daschkin vom Labor des BCA durchaus zufrieden ist. 115 der Zecken, die eine möglichst weite regionale Abdeckung gewährleisteten, wurden dann molekularbiologisch im sogenannten "PCR-Verfahren" auf Borrelien getestet, wie Daschkin erklärt. Das Ergebnis ist zumindest im Vergleich zur Golfplatzstudie beruhigend. Lediglich 17,9 Prozent der Zecken trugen Borrelia-Bakterien in sich. Damit liegt die Region ziemlich genau im deutschlandweiten Mittel. Das Robert- Koch-Institut gibt einen Korridor von fünf bis 35 Prozent für die gesamte Bundesrepublik an.

Bezüglich des Übertragungspotentials weisen die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass etwa jede fünfte Zecke, einen ausreichend langen Kontakt vorausgesetzt, Borrelioseerreger übertragen kann. Die untersuchten Zecken hatten, anders als in der Golfplatzstudie, für die Region übliche Bakterien in sich. Gefunden wurden die Zecken übrigens vor allem im hohen Gras und an Waldrändern. Doch die Zecken fühlen sich durchaus auch in "sehr gepflegten Hausgärten" wohl. Daschkin verweist auf eine Habitatstudie der Universität Hohenheim aus dem Jahr 2015, die das eindeutig belege.

Und mit einem weiteren falschen Sicherheitsgefühl räumt Daschkin auf. Wer glaubt, dass Zecken nur im Sommer auf Jagd gingen, der irrt gewaltig. Die milden Winter führen zu immer längeren Aktivitätsphasen der Tiere, die lediglich Temperaturen über dem Gefrierpunkt benötigen, wie Daschkin ausführt. Das sollte beim Schutz vor Zecken unbedingt beachtet werden, rät sie.

Tatsächlich können die Borrelioseerreger schwere Leiden verursachen. Lähmungen im Gesicht und Schulterbereich, Herzerkrankungen, Leberschäden sogar Erblindung, zählt Dr. Carsten Nicolaus, Leiter und Gründer der BCA-Clinic, auf. Das Heimtückische dabei ist, dass die Folgen erst nach Jahren auftreten können. An einen Zeckenstich als Ursache denken da viele nicht mehr. Wird die Borreliose dagegen frühzeitig entdeckt und behandelt, dann ist laut Nicolaus eine vollständige Heilung möglich.

Wer also eine Zecke hatte und sich um die Einstichstelle die typische Wanderröte bildet oder kurz nach dem Zeckenstick grippale Symptome auftreten, der sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, der dann für mindestens zwei Wochen Antibiotika verschreiben werde, so der Rat der Augsburger Zeckenexperten Daschkin und Nicolaus. Bei eindeutigen Symptomen nach erkanntem Stich sollte übrigens nicht auf Testergebnisse gewartet werden, da der von den Krankenkassen bezahlte Test Borrelien erst mehrere Wochen nach der Infektion nachweisen könne, so die Profis aus dem Labor. Im Zweifelsfall würde das BCA anbieten, die betreffenden Zecken auch tot, auf Erreger zu untersuchen. Allerdings kostet die Analyse dann 40 bis 90 Euro, je nach Aufwand.


Mehr zur Arbeit des BCA gibt es unter www.bca-clinic.de.
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Sebastian Summer aus Aystetten | 30.10.2016 | 18:26  
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