Zu viel Liebe in der Grotte

Ein Pärchen wurde im Titania beim Liebesspiel erwischt. Nun mussten sich die beiden wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: © tom_u / 123rf.de

Der 19-jährige Kevin und die 20-jährige Jaqueline (Namen geändert) wurden im Dezember 2014 in der "Erlebnisgrotte" des Titania beim Liebesspiel erwischt. Die zuständigen Bademeister bekamen ihr Treiben mit und verwiesen sie des Bades. Gestern mussten sich die beiden Angeklagten nun wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten.

Pünktlich um 13.30 Uhr ist der Gerichtssaal voll mit Schaulustigen, Reportern und Fotografen. Einzig die beiden Angeklagten sind nirgends zu sehen. Gegen 13.50 Uhr als der Richter langsam ungeduldig wird und laut über einen Haftbefehl nachdenkt, tauchen Kevin und Jaqueline doch noch auf.

Mürrisch schlurfen die beiden in Richtung Anklagebank, während sie lautstark ihren Unmut über die Fotografen kundtun und sich die Hände vors Gesicht halten. Warum sie so spät kämen, will der Richter angesäuert wissen. Kevin nuschelt etwas vom Verkehr. "Das macht nicht den besten Eindruck", sagt der Richter streng.

Nach der Verlesung der Anklage, erklärt der Richter, es gebe Bilder und Videoaufnahmen des Vorfalls. Zuerst einmal sollen aber die Angeklagten die Gelegenheit bekommen, ihre Version zu schildern. "Das stimmt alles definitiv nicht", verkündet Kevin. "Wenn Sie Videoaufnahmen haben, werden Sie sehen, dass meine Hose schon den ganzen Tag gerutscht ist." Jaqueline dagegen möchte keine Aussage machen, solange so viele Menschen im Raum sind. Das sei ihr peinlich.

Der Richter zeigt den beiden zunächst die Bilder. "Ach komm", motzt Kevin ihn an. "Da sieht man doch gar nichts." Es sei nicht sehr geschickt, wie er sich verhalte, stellt der Richter fest. Dann sage er jetzt eben gar nichts mehr, ist Kevins Antwort. Stattdessen darf nun einer der Bademeister aussagen, die die Turteltäubchen erwischt haben: Er und sein Kollege hätten die beiden Angeklagten auf Kameras beim Geschlechtsverkehr in der Grotte gesehen und sie aus dem Wasser geholt. "Die zwei sind durch die ganze Grotte getobt. Das war eindeutig", berichtet der Zeuge. Das Pärchen hätte jedoch alles abgestritten und Kevin sei ziemlich ausfallend geworden. Er habe daraufhin ein Hausverbot ausgesprochen, doch Kevin und Jaqueline hätten das Bad nicht verlassen. Die Bademeister fanden sie kurze Zeit später an anderer Stelle im Bad mit zahlreichen leeren Bier- und Schnapsflaschen wieder. Da habe es ihnen gereicht und sie hätten die Polizei verständigt. "Das hätten wir nicht getan, wenn sie gleich gegangen wären", berichtet der Bademeister. "Sex in der Grotte kommt häufig vor. Obwohl Schilder darauf hinweisen, dass es Unterwasserkameras gibt."

Unterwasserkameras? Jetzt wirkt Kevin doch ein bisschen unsicher. Nichtsdestotrotz brennt ihm eine ganz andere Frage an den Zeugen auf der Seele: "Warum hast du mir meinen Alkohol nicht zurück gegeben? In der Flasche war noch was drin."

Dem Richter wird es nun zu bunt. Er versucht den Angeklagten zu erklären, dass er bei einem Geständnis bereit wäre, das Verfahren einzustellen. Doch so ganz scheinen Kevin und Jaqueline das nicht zu begreifen. Also wird - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - das Video in Augenschein genommen.

"Es ist völlig klar, was da passiert ist", sagt der Staatsanwalt anschließend in seinem Plädoyer. Er fordert für beide je 32 Sozialstunden. Außerdem solle Kevin mit zwei und Jaqueline mit einem Freizeitarrest bestraft werden. Was Jaqueline betrifft, hält der Richter diese Strafe für angemessen. Kevin jedoch verurteilt er zu zwei Wochen Dauerarrest. "Das war Pornografie, was wir auf dem Video gesehen haben." Er verstehe nicht, wie der Angeklagte da noch etwas abstreiten könne. Außerdem sei sein Verhalten respektlos und uneinsichtig. "Ich hätte Sie gern gleich drei Tage lang in den Keller gesperrt, damit Sie verstehen, wie man sich vor Gericht verhält." So ganz verstanden hat Kevin das offenbar tatsächlich nicht. "Danke", ruft er dem Richter noch zu, als er den Gerichtssaal verlässt.
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