Zu wenig Platz im Frauenhaus Augsburg

217 hilfesuchende Frauen kamen im vergangenen Jahr ins Augsburger Frauenhaus, doch nur 121 von ihnen durften bleiben. Die Gründe, warum die Betroffenen abgewiesen werden, sind vielfältig. Foto: Symbolbild: ©loganban / 123rf.de

Ein ganz normaler Wohnblock irgendwo in Augsburg, Kinderlachen ist zu hören. Doch ein fröhlicher Ort ist das eigentlich nicht. Denn hier, an dieser geheimen Adresse, sollen Frauen und Kinder Zuflucht vor häuslicher Gewalt finden.

217 hilfesuchende Frauen kamen im vergangenen Jahr ins Augsburger Frauenhaus, doch nur 121 von ihnen durften bleiben. Die Gründe, warum die Betroffenen abgewiesen werden, sind vielfältig.

Häusliche Gewalt sind seelische, körperliche oder sexuelle Übergriffe. Das Frauenhaus Augsburg soll Betroffenen Zuflucht an einem geheimen Ort bieten, um die Sicherheit der Frauen zu gewähren. Im Haus sollen sie Schutz, individuelle Beratung und Unterstützung erhalten. 42 Plätze stehen zur Verfügung, von denen 21 für Frauen und weitere 21 für deren Kinder vorgesehen sind. Mit dieser Kapazität ist das Frauenhaus Augsburg das drittgrößte Bayerns.

Die betroffenen Frauen kommen meist aus den Landkreisen Augsburg, Aichach-Friedberg und Landsberg am Lech sowie aus der Stadt Augsburg. In besonderen Notsituationen würden manchmal auch Frauen aus anderen Bundesländern aufgenommen, so Birgit Gaile, Leiterin des Frauenhauses Augsburg.

Die Frauen wohnen mit ihren Kindern in verschieden großen Zimmern mit Appartementstruktur. Jedes Zimmer hat eine Küche sowie eigene sanitäre Anlagen. "Bei voller Belegung kann es schon auch mal vorkommen, dass zwei Frauen sich ein Zimmer teilen müssen", sagt Gaile.

Unterkommen können Frauen und Kinder unabhängig von ihrer Herkunft. Jungen dürfen nur bis zum Alter von 14 Jahren im Frauenhaus wohnen. Studenten und Schüler können nicht aufgenommen werden, da das Arbeitsamt bei ihnen keine finanzielle Unterstützung leistet. Ebenso können Frauen, die kein Einkommen beziehen oder keine Sozialleistungen empfangen, nicht aufgenommen werden, da die Frauen finanziell abgesichert sein müssen, um sich selbst zu versorgen. Ein weiteres Aufnahmekriterium ist, dass die Frauen sich selbst verpflegen können, also in der Lage sind, selbstständig einzukaufen und Essen zuzubereiten.

Sie können sich rund um die Uhr melden und erhalten Hilfe. Manche bleiben nur für einen Tag im Frauenhaus und können danach anderweitig unterkommen. Andere bleiben bis zu einem Jahr. "Im Schnitt liegt die Aufenthaltsdauer laut Statistik bei wohl acht bis zehn Wochen", erzählt die Frauenhausleiterin.

Eine andere Unterkunft zu finden, ist bei der im Moment vorliegenden Wohnungssituation sehr schwierig und bei finanziell vom Jobcenter abhängigen Frauen noch problematischer. "Da circa 60 Prozent der Frauen im Frauenhaus Augsburg einen Migrationshintergrund haben, ist es für sie noch komplizierter eine Wohnung zu finden und damit bleiben sie erst einmal im Frauenhaus", so Gaile.

Doch leider müssen viele Frauen abgewiesen werden, da das Haus voll belegt ist, oder die Frauen Sucht- oder schwere psychische Erkrankungen aufgrund der Misshandlungen aufweisen. Sie werden dann an weiter entfernte Frauenhäuser und Psychologen verwiesen.

Im vorigen Jahr wurden 121 Frauen und 145 Kinder aufgenommen. Dabei betrug die Gesamtauslastung des Hauses durchschnittlich 93 Prozent. Abgelehnt werden mussten 96 Frauen, da kein Platz war.

Die Personaldecke in den Frauenhäusern ist sehr beschränkt. Deshalb ist es oft schwer, sich um alle Bewohner individuell zu kümmern. Vor allem Kinder, die ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten müssen, brauchen eine psychologische Betreuung, die ihnen Erzieherinnen nicht vollständig bieten können. Auch Stellen für den Bereich der Hauswirtschaft und der Verwaltung werden benötigt. Doch wird diese Zeit für die psychische Betreuung der Frauen benötigt.

Im Moment wird in Bayern der Bedarf nach höheren Zuschüssen ermittelt. Bei der "Bedarfsermittlungsstudie", die das Sozialministerium in Auftrag gegeben hat, werden verschiedene Facetten des Systems beleuchtet. Das Ergebnis der umfangreichen Studie soll Ende des Jahres vorliegen. Unter anderem werde ermittelt, wo und wie viele Frauenhausplätze benötigt werden, dabei wird auch auf das Stadt-Land-Gefälle eingegangen. Zudem gibt es im Moment kein adäquates Angebot für Frauen mit Beeinträchtigungen sowie für Frauen mit Jungen über 14 Jahren.

Die Angestellten des Frauenhauses sind nicht rund um die Uhr vor Ort, sollte es aber zu Problemen kommen, sind sie 24 Stunden am Tag zu erreichen. Falls einer der Männer die geheime Adresse des Hauses herausfinden sollte und vor der Tür stünde, ist die Polizei nicht weit um sie des Platzes zu verweisen.

Bezuschusst wird das Frauenhaus Augsburg von den Kommunen, dem Land Bayern und der AWO als Träger.


Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind und Beratung oder Zuflucht benötigen, können sich bei der Beratungsstelle "via-Wege aus der Gewalt" unter Telefon 0821/650 26 70 oder im Frauenhaus Augsburg unter Telefon 0821/ 229 00 99 melden.
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