Zuflucht unterm Wahrzeichen

In der Rosenaustraße 24 a soll eine Asylunterkunft entstehen. Foto: David Libossek

Die Stadt kauft ein altes Wohngebäude in der Nähe des Güterbahnhofs an, um es in eine dezentrale Unterkunft für Asylbewerber umzuwandeln. Die Sanierung soll etwa eine halbe Million Euro kosten. Ist sich der Stadtrat darüber noch einig, muss in der Diskussion um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge OB Kurt Gribl einschreiten.

Eine Zahl löste kleinere Komplikationen aus in der ersten Sitzung des Augsburger Stadtrats nach der Sommerpause. Jene Zahl, die beziffert, wie viele Asylbewerber denn in der Asylunterkunft an der Rosenaustraße 24 a künftig wohnen können. So unterschieden sich die Werte in der öffentlichen und nichtöffentlichen Beschlussvorlage, was die Frage aufwarf: Sind es nun 30 oder doch 50 bis 60 künftige Bewohner des Gebäudes im Schatten des Hotelturms?

Eine gute halbe Stunde später schaffte Sozialreferent Stefan Kiefer Klarheit: In dem Haus können später 50 bis 60 Asylbewerber leben, hatte ihm sein Referat mitgeteilt. Dem Dringlichkeitsantrag, das Gebäude herzurichten hatte der Stadtrat da bereits geschlossen zugestimmt. So wird der zweigeschossige Bau, an dem sich braun gestrichene Fensterrahmen von der verblassten weißen Wand abheben, nun saniert. 462 000 Euro soll das kosten.

Die Diskussion zuvor war eine kurze gewesen. Die einzige Anmerkung, nämlich die von Anja Seubert (Grüne), tat der Sozialreferent schnell ab. Die Toiletten der Unterkunft sollten doch im Gebäude liegen, hatte Seubert gefordert, für weibliche und minderjährige Bewohner seien Außen-WCs nicht tragbar. "Ich schließe aus, dass Kinder oder Frauen hier wohnen werden", sagte Kiefer. Die Unterkunft sei ausschließlich für Männer vorgesehen, zumal man über die sanitären Anlagen ohnehin erst entscheiden könne, wenn der Zustand und die Lage von Rohren geklärt sind.

Etwas ungemütlicher wurde es im Sitzungssaal, als Kiefer über das Thema unbegleitete minderjährige Flüchtlinge berichtete. Markus Bayerbach (AfD) schoss gegen die Grünen, die seiner Meinung nach eine "Überinhobhutnahme" junger Flüchtlinge förderten. "Das steht in keinem Verhältnis zu der Fürsorge von hilfebedürftigen Kindern aus unserer Gesellschaft", kritisierte Bayerbach. Daraufhin schaltete sich auch Oberbürgermeister Kurt Gribl in die Debatte ein. Sachlich formulierte, konträre Meinungen seien freilich in Ordnung, "ich warne aber davor, verschiedene gesellschaftliche Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen".

Das inspirierte den OB zu einem Appell an seine Kollegen, der sich auf die Flüchtlings-Situation insgesamt bezog: "Wir müssen uns fragen, wie können wir das System so verändern, dass wir nicht zu Schaden kommen und trotzdem das Mögliche getan werden kann." Langfristig könne man das "durch ehrenamtliche Strukturen nicht leisten", fuhr er fort und ergänzte "wir müssen zu Strukturen kommen, die in sich tragfähig sind".

Die Dynamik, die das Thema Flüchtlinge entwickelt hat, sei auch bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen spürbar, erklärte Kiefer. Von Januar bis August wurden 203 von ihnen in Augsburg registriert. Allein im September ist diese Zahl auf 318 gestiegen. Für sie ist das Amt für Kinder, Jugend und Familie mit fünf Vollzeit- sowie 16 zumeist Teilzeitkräften zuständig.

In manchmal stundenlang dauernden Einzelgesprächen - unter anderem müsse ein geeigneter Dolmetscher vor Ort sein - wird die Lage der jungen Flüchtlinge geklärt. Handelt es sich um einen unbegleiteten Minderjährigen, kümmern sich verschiedene Träger um die Unterbringung.

In eine dafür geeignete Unterkunft sollte ursprünglich ein Anwesen an der Blücherstraße umgewandelt werden. Weil Augsburg durch die ab Januar vorgesehene bundesweite Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen weniger Inobhutnahme-Plätze stellen muss, schafft die Stadt nun Platz für eine Jugendhilfeeinrichtung. Auch hierfür muss zunächst saniert werden - und zwar abgestimmt mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die bisher das Erdgeschoss nutzen. Rund 1,5 Millionen Euro soll die Renovierung kosten. Dieses Mal stand die korrekte Anzahl bereits fest: In 15 Apartments sollen Jugendliche den Weg in die Selbstständigkeit finden.
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